„Schreib´doch keine Diplomarbeit!“ urteilte meine Gemahlin. Ich hatte einen sorgfältigen Extrakt aus den Expertenmeinungen zur aktuellen Zeitungskrise destilliert. „ Das ist zu steif! Schreib, wie früher in der Krone! Aus vollem Herzen!“ Na dann…
Die Krise des Journalismus

Allein heuer gingen 300 Arbeitsplätze im Journalismus flöten. Etwa 1.000 Journalisten und Angestellte in angeschlossenen Abteilungen sind arbeitslos gemeldet. Aussichten auf neue Jobs in der Branche gibt es aktuell nicht. Die veröffentlichten Meinungen namhafter Insider (s. Quellen am Ende des Beitrags) habe ich verinnerlicht und eigene Erfahrungen beigemengt. Ich werde nachstehend aus meines Herzens Mördergrube keinen Ort heuchlerischer Objektivität machen.
Eine von vielen Systemkrisen
Der Niedergang des Journalismus ist eine der vielen Systemkrisen unserer Gesellschaft. Wie in anderen Branchen auch ist der Nachwuchs in den Redaktionen nicht gut ausgebildet und angeleitet. Die Erfahrung der wegen zu hoher Kosten gekündigten Älteren liegt brach; es fehlt der Transfer des Wissens. Die verfluchte Political Correctness zwingt die Branche in ein selbst gewähltes, vom lesenden Kunden aber ungeliebtes Korsett. Linksgrün und NATO, Rüstung und Kriegsgeschrei ist Trumpf, viele Fakten werden folgsam zurechtgebogen. Der Gruppendruck ist enorm, Personal, Zeit und Geld für sorgfältige Recherche knapp. Vieles wird von internationalen Nachrichtenagenturen wörtlich übernommen.
Die Leser sind not amused

Das alles durchschaut die verbliebene Kundschaft: Sie ist nicht so dumm, wie man meint. Der ältere Kunde am Kiosk und TV-Gerät merkt die Absicht und ist verstimmt. Die Jungen lesen nichts Gedrucktes, geschweige denn österreichische Zeitungen. Ihre Welt spiegelt sich in Facebook, Instagram, TikTok, Twitter, XING, LinkedIn und diversen Chat Rooms. Die Folge: Man verliert die Älteren und gewinnt die Jungen nicht als Ersatz.
Wo Tauben sind, fliegen Tauben zu.
Das wissen gewiefte Werbeexperten und flattern hurtig weg von den Zeitungsseiten, hin ins digitale Reich. Das färbt die Bilanzen der meisten Medien blutrot, wenn sie nicht, wie der ORF, am Tropf des Staates hängen. Der Ruf der Branche nach künstlicher Ernährung durch Vater Staat erklingt weithin – bis nach Brüssel. Es wird dennoch geschehen, was sich in zahllosen anderen Fällen in der Wirtschaftsgeschichte ereignete: Die allermeisten traditionellen journalistischen Produkte werden den Weg alles Irdischen gehen.
Was übrig bleibt
Übrig bleiben die von staatlichen und EU- Gnaden künstlich Ernährten und die kleinen Kreativen zwischen den Füßen der Giganten. Die einstige demokratische Kontrollfunktion der Großen wird zu einer Art Regierungs- Berichterstattung verkommen. Die Economies of scale (Fixkostendegression der Großen) und das Gesetz „The winner takes it all“ kann man auch durch noch so lautes Klagegeschrei nicht aufhalten. Beispiele geschichtlicher Opfer: Die Kutschenproduktion, Fotochemie, Schallplatten und CD- ROM sowie hunderttausende Greißler und Nahversorger. Die Blutspur ist breit und lang.
Und weiter?

Es ist Zeit für einen kreativen systemischen Akt in der Sphäre der Berichterstattung, will man nicht immer schneller in Richtung einer unkontrollierten Autokratie voranschreiten. Die Großen der Branche, unterstützt von erprobten Innovationsexperten und erfolgreichen internationalen Vorbildern sollten sich zusammentun, um den Gordischen Knoten zu durchschlagen. Mehr vom Gleichen führt in den Abgrund. Die Zeichen an der Wand sind auch international unübersehbar.
Quellen
Interpretierte Meldungen von –
- Martin Gebhart (KURIER)
- Christian Nusser (Newsflix)
- Corinna Milborn (Puls 4)
- Armin Wolf (ORF)
- Internet Search
- Eigene Erfahrungen; als einer, der 6 Jahre lang vergeblich das Fürchten lernen wollte (Gebr. Grimm, 1835).

5 Antworten
Ich denke nicht dass es möglich sein wird diesen Knoten zu durchschlagen. Wie im Beitrag richtig beschrieben, sind die traditionellen Medien bei der Generation Z schon im sinken, die Generation Alpha ist mit den elektronischen Medien aufgewachsen und schon total weg von den traditionellen Medien. Mattel, LEGO, Hasbro und der Rest der Spielwarenproduzenten bewerben aus guten Gründen schon seit Jahren ihre Produkte NICHT mehr im TV, sondern gezielt nur mehr über die Möglichkeiten im Internet. Davor MUSSTEN Spielwaren I’m TV beworben WERDEN um in hohen Stückzahlen verkauft werden zu können. Als MATTEL Geschäftsführer in den 90er Jahren weiß ich das genau.
Und ebenso stimmt es, dass selbst die Boomer – zu denen ich selbst gehöre – sich über Insta oder andere elektronische Quellen international informieren und damit WISSEN, wie gefärbt die traditionellen Medien berichten. Am 28.07. habe ich hier zum Thema „Rumpelstilz“ über meine persönlichen Erfahrungen betreffend dem „Blutbad“ Sager Trumps berichtet und auch darüber, wie viele andere Fake News ich nachweislich gefunden habe. Ich habe der KRONE Redaktion mehrere emails mit meiner Kritik an deren Berichterstattung und meiner Verwunderung darüber geschrieben, wie sehr sich das Blatt gegenüber der Zeit von Dichand Senior von einem dem Mainstream relativierendem, zu einem dem Mainstream angepassten Blatt gewandelt hat. Da ich selbst auf konkrete Beispiele keinerlei Antwort erhielt, habe ich mein Abo gekündigt. Es dürfte nicht die einzige Kündigung gewesen sein denn seitdem werde ich mit Angeboten überhäuft, zuletzt mit einem 50% Rabatt auf ein neuerliche Abo durch eine eigens installierte Abteilung zur Rückgewinnung von Abonnenten. Meinem Ersuchen um ein Gespräch mit der Redaktion wurde aber nicht nachgekommen. Das alles zusammengenommen lässt mich glauben, dass der Niedergang der klassischen Medien ebenso unumkehrbar ist wie auch keine mechanischen Schreibmaschinen mehr verkauft werden können
Die Feststellungen bezüglich des absoluten Stillschweigens der Medien auf Kritik und Leserbriefe kann ich nur bestätigen. Ich bin (noch immer) Abonnent der Kronenzeitung und der Zeitung Die Presse, aber nicht, weil die Qualität dieser Blätter das noch rechtfertigen würde (wie vielleicht vor Jahrzehnten), sondern um zu nachzulesen, was da alles so an Desinformation zu politischen Themen verbreitet wird. Als Vielschreiber verfasse ich dann Lesebriefe dazu, die ich seit einiger Zeit mit einem „Vorwort“ und einer Frage an die Redaktion versehe, ob nicht doch einer der Journalisten den Mut hätte,mir endlich einmal (auch privat und anonym!) zu antworten, warum „seine“ Zeitung nicht die Wahrheit berichtet! Aber leider gibt es nur feige Lakaien, wie sie schon John Swinton beschreibt (siehe meinen Kommentar von heute, 4. November 2025).
Perplexity gefragt:
Etwa 29 Prozent der Erwachsenen im Alter von 16 bis 65 Jahren in Österreich gelten nach aktuellen Erhebungen als funktionale Analphabeten, das heißt, sie verfügen nur über sehr geringe Lesekompetenz und scheitern bereits an einfachen Texten.
Die übrigen ca 60 Prozent schauen zumeist lieber Videos oder ins Glas.
Vielleicht auch ein Bildungsproblem? Zum Glück sind da die Neos jetzt dahinter!
Der Intelligenzquotient hat sicher zu tun mit der Zahl der Bücher , die man gelesen hat und gerade liest.
Das Lesen der gleichgeschalteten Regierungs Propaganda-Mainstream-Zeitungen ist einfach Zeitverschwendung (seitdem es ihre Artikel in der SonntagsKrone nicht mehr gibt!)
Es ist Ihnen sicher schon aufgefallen: Neuerdings machen immer mehr Medien Werbung für ihre behauptete „Unabhängigkeit“, für die „Qualität“ ihrer journalistischen Arbeit und so fort: Haben sie das nötig? Ja, sie haben! Aber diese Bemühungen sind seit einiger Zeit weitgehend wirkungslos – immer mehr Menschen vertrauen den Medien, vor allem den Mainstraem-Medien schon lang nicht mehr! Das macht diese Medien (und die Mächtigen) offenbar ziemlich nervös!
Die Mainstream-Medien, die heute nur einen Desinformations-Einheitsbrei berichten, der ihnen von den Medieninhabern (im Auftrag der Mächtigen) vorgegeben wird, sehen sich zurecht mit massivem Misstrauen konfrontiert. Die überwiegende Mehrheit der Bürger hat schon längst durchschaut, dass die Methode der Medien, alles was den mächtigen Strippenziehern nicht in den Informationskram passt, als Verschwörungstheorie abzutun und zu verunglimpfen, nur ein krampfhafter, jedoch inzwischen untauglicher Versuch ist, die Meinungshoheit (nicht –freiheit) zu sichern.
Schon 1883 hat John Swinton in einer Rede vor Journalistenkollegen (im Twilight Club) gesagt, was es mit der „Unabhängigkeit der Journalisten“ (!) auf sich hat:
„So etwas wie eine unabhängige Presse gibt es in Amerika nicht, außer in abgelegenen Kleinstädten auf dem Land. Ihr seid alle Sklaven. Ihr wisst es und ich weiß es. Nicht ein einziger von euch wagt es, eine ehrliche Meinung auszudrücken. […] Derjenige, der so verrückt wäre, ehrliche Meinungen zu schreiben, wäre auf der Straße, um einen neuen Job zu suchen. Das Geschäft des Journalisten in New York ist es, die Wahrheit zu verdrehen, unverblümt zu lügen, sie zu pervertieren, zu schmähen, zu Füßen des Mammon[s] zu katzbuckeln und das eigene Land und Volk für sein tägliches Brot zu verkaufen, oder, was dasselbe ist, für sein Gehalt. […] Wir sind Werkzeuge und Dienstleute reicher Männer hinter der Bühne. Wir sind Hampelmänner. […] Wir sind intellektuelle Prostituierte.“
https://de.wikipedia.org/wiki/John_Swinton (04.11.2025 11:25)
Daran hat sich nicht nur nichts geändert, sondern aufgrund des derzeit noch viel größeren Einflusses der Superreichen (der „Mächtigen“) auf ihre zahllosen Lakaien in Politik und Medien hat die Abhängigkeit der Medien extreme Ausmaße angenommen.
Dipl.-Ing. Josef Koch, Wien
Vielen Dank für die interessanten Kommentare!