Vierkommazwei Prozent, das ergab der maßgeschneiderte Gehaltserhöhungs- Algorithmus der Wirtschaftskammer Österreichs, abgekürzt WKO, für das Jahr 2026: Ganz ohne die übliche beinharten Verhandlungen mit dem störrischen Erzfeind, der Arbeiterkammer: Kein Wunder: man verhandelte ja diesmal mit sich selbst. Kammer-Präsident Harald Mahrer erfreut sich statt 12.500 nun über 15.800 Euro/Monat, acht Vizepräsidenten über eine Steigerung von 5900 auf fast 9400 €. Und- Überraschung! Es resultierte für die ca. 6000 Mitarbeiter der Unternehmervertretung ein ähnliches Ergebnis wie im Falle der Bundesregierung. Diese, stets mit hochrotem Spar-Zeigefinger unterwegs, präsentiert sich ebenfalls voluminöser und kostspieliger als die türkis-grüne Vorgängerregierung.
Von der Beamtenforelle zum Kaviar

Merk´s, oh Leserschaft: Manche sind gleicher, predigen Wasser, trinken Champagner und löffeln Kaviar. Einst war man mit der legendären Beamtenforelle zufrieden, einer reschen Knackwurst. Der jahrzehntelange Aufenthalt am wohlbestückten Futtertrog- heutzutage Büffet genannt- macht eben immer anspruchsvoller. Anderen, wie den Pflegekräften in Salzburg, streicht man den hart erkämpften Bonus. Die an pure Dummheit gemahnende Arroganz der selbsternannten, überheblichen „Elite“ ist unerträglich geworden.
„Dummheit und Stolz wachsen auf demselben Holz.“
Beifall von verdächtiger Seite

Der ewige Widerpart, die Arbeiterkammer, vertreten durch vida-Vorsitzenden und Eisenbahnerhäuptling Roman Hebenstreit, sprang den „Kolleginnen und Kollegen in der WKÖ“ pharisäerhaft zur Seite:
„Ich begrüße das Umdenken der Wirtschaftskammer und ihres Präsidenten ausdrücklich. Lohnzurückhaltung und Kaufkraftverlust können keine Lösung sein – das haben wir als Gewerkschaft immer gesagt. Wenn nun die Wirtschaftskammer für ihre eigenen Beschäftigten ein Plus von 4,2 Prozent vereinbart, ist das ein klares Bekenntnis, dass es ohne ordentliche Lohnsteigerungen keine wirtschaftliche Erholung gibt!“ Er ebnete damit gleisnerisch das Schlachtfeld für kommende Gehaltsgefechte: Was für die WKO gilt, muss erst recht für andere Ausgebeutete herhalten!
Der Trick des Roßtäuschers


Der Aufschrei der Bürger und Zahler ließ nicht lange auf sich warten. Der industrielle Stephan Zöchling forderte seine Kollegen zu einem Beitragsstreik auf. „Vielleicht ist es an der Zeit, dass die Kammer endlich spürt, was der Rest des Landes schon lange hört: den Warnschuss“, schrieb er. Der Donner drang bis nach Wr. Neustadt, ans Krankenlager des Bundeskanzlers. Dieser, in Zeiten des rasanten Vertrauensverlusts auch mental marod, rief zur Umkehr. Nach tagelangen öffentlichen Debatten und heftiger Kritik ruderte WKO-Präsident, Ex-ÖVP-Minister Harald Mahrer, zurück. Er verkündete, Empörung heuchelnd, eine Halbierung der Erhöhung.
Untersucht man die Details, findet sich eine verschämt verborgen gehaltene Tatsache: Die 4,2 Prozent kommen im zweiten Halbjahr doch noch. Im Schnitt werden es daher 3.15% sein – plus 0,75% gegenüber der prognostizierten Inflationsrate 2026.
Wie immer man´s nimmt: Manche sind eben gleicher. Sie genieren sich auch nicht dafür: Der Bürger kann in jedem Falle nichts ändern. Man serviert ihm, unabhängig von Wahlergebnissen, immer irgendeine toxischen Mischung auf die Regierungsbank.
