Es ist wieder einmal so weit. Im Nahen Osten tobt ein Krieg mit ungewissem Ausgang, die Hauptschlagader für Öl und Gas, die Straße von Hormuz, ist abgeschnürt. Experten malen bereits das Szenario explodierender Energiepreise wie zu Beginn des Ukrainekriegs 2022 an die Wand. Krisenstäbe, Notkonferenzen und Autofahrer-Aufstände wechseln einander im Stundentakt ab. Das alles erinnert mich an einen Artikel, den ich zu Beginn des Ukrainekriegs verfasste.
Das Gerücht
Damals geisterte ein Gerücht durch die Gazetten: Österreich könne mit dem Schiefergas bei Poysdorf im Weinviertel 30 Jahre lang mit Erdgas versorgt werden. Außer endlosen Palavern geschah nichts, um Gewissheit über diesen potenziellen Schatz zu gewinnen. Wie war so etwas möglich, während Staatsoberhäupter rund um die Welt jetteten und zwielichtige Potentaten um Erdgas anflehten? Dazu erst einmal ein Rückblick.
Die Entdeckung des Schatzes

Im 15. Jahrhundert entdeckte ein Mönch am Ufer des Tegernsees Steinöl. In Flaschen abgefüllt, sorgte das „Quirinusöl“ für steten Geldfluss zum Kloster. Auch die Kartause Gaming war berühmt für ihr „Loröl“. Das Volk verwendete das Schieferöl als Arznei. Ein Abt ließ die Quelle sperren, um Geld zu verdienen: Da versiegte das Öl.
Viele Jahre später beobachtete ein Bauer Im Weinviertel aufsteigende Luftblasen in einem Teich. Er fing deren Inhalt- ein seltsam riechendes Gas– ein und versuchte, seinen Hof damit zu heizen. Das Anwesen flog in die Luft, verletzt wurde niemand.
1934 gelang in Gösting die erste wirtschaftliche Ölbohrung. 30 Tonnen Rohöl/Tag wurden gefördert. Im April 2022 rächte sich die Sünde des Abts von Gaming erneut: Ein ukrainisches Kommando sprengte die Ostsee-Pipeline. Eine Milliarde Euro musste die OMV man als Verlustrisiko für ihre Beteiligung abschreiben.

Damals steuerte die OMV den kompletten Ausstieg aus dem Öl- und Gasgeschäft an und setzte stattdessen auf Chemie, Kunststoffe, Recycling und E-Mobilität. Unterdessen explodierten die Börsenkurse von EXXON & Co, Öl und Gas wurde zur Mangelware.
Die OMV zögerte
Um die Abhängigkeit vom Ausland zu verringern, plante die OMV vor Jahren Erkundungsbohrungen im Weinviertel. Nach zahlreichen Protesten von Umweltschutzorganisationen und Bürgerinitiativen gegen den Einsatz des dazu nötigen „Fracking“ legte die OMV ihre Pläne auf Eis.

„Fracking von Schiefergas ist nicht mehr in unserem strategischen Konzept enthalten. Wir können nicht ins Weinviertel rausfahren und anfangen Löcher zu bohren.“
…….. so OMV- Generaldirektor Stern damals zur APA. 2040 wolle man in Österreich klimaneutral sein. Dann würden für die Nutzung nur etwa zehn Jahre bleiben.
Die Industrie hierzulande wird freilich auch nach 2030 thermische Energie benötigen. Die VOEST wird erst 2050 ohne Kohlenwasserstoffe auszukommen. Womit aber wird man bis dahin die Hochöfen speisen? Mit Erdgas und Koks. Ersteres soll unter hohem Energieaufwand in tiefgekühlter, flüssiger Form aus den USA und diversen, menschenrechtlich suspekten Golfstaaten teuer herangeschippert werden, auch durch – erraten! die Straße von Hormuz. Bis 2050 würde man sich nicht nur in Linz gewiss über eine Prise Erdgas aus gesicherter heimischer Produktion freuen.
Rentabilität oder Sicherheit?
Bis heute ist umstritten, ob sich die Gewinnung des Weinviertler Schiefergases lohnt. Der Umgang mit Rohstoffquellen ist freilich nicht nur eine Frage der Rentabilität. Wie sich immer deutlicher herausstellt, stehen sichere Verfügbarkeit und Nachhaltigkeit an vorderster Stelle. Warum veranstalten beleidigte Industrielle, Umweltschützer, wetterwendische Politiker und ernsthafte Wissenschaftler einen unwürdigen Eiertanz um den unbekannten Schatz im Weinviertler Schieferstein?

Man nehme etwa vierzig Millionen Euro (Prof. Sachsenhofer, Uni Leoben, 2022) in die Hand, bohre ein Loch und schaue nach, was sich da unten verbirgt. Im Vergleich zum wiederholten Fiasko ist das nur ein (Öl-) Tröpfchen auf einem heißen Stein.
