Angenehme Erinnerungen

Vor Jahrzehnten hatte ich häufig mit dem ORF zu tun. Interessant waren die Wortgefechte mit Auhirsch selig, Günther Nenning und seinen Gästen, und gerne erinnere ich mich der professionellen Interviews durch Kultur- und Wirtschafts-Journalistinnen in ORF 1. Ein besonderes Highlight war 1998 das auch heute noch oft zitierte Sommergespräch „Zur Sache spezial“ mit Elmar Oberhauser, meiner Wenigkeit, Kaiserenkel Otto Habsburg selig und dem Kurzzeit-Kanzler Viktor „Vickerl“ Klima .Ein Klick auf das Bild führt Sie zu einem Sendungsausschnitt.

Von links nach rechts: Woltron; Unbekannt; Oberhauser; Otto v. Habsburg; Kanzler Klima. (ORF, Sommer 1998)

Good old times… Mittlerweile hat sich, so wie überall, vieles grundlegend geändert. Der ORF am Küniglberg bildet beileibe keine Ausnahme.


Am Küniglberg

Einst……

Wolfgang Künigl, kaiserlicher Prokurator im 16. Jahrhundert, verwaltete einst die Güter der Pfarre Hütteldorf. Sein Name ziert noch heute die Kommandozentrale des österreichischen Rundfunks (ORF) „Am Küniglberg“. Dieser hat sich seit seiner Gründung (1924, als Radio-Verkehrs-AG, RAVAG) zu einem stattlichen Konzern mit fast 6000 Mitarbeitern im gesamten Umfeld, etwa 1,1 Mrd. € Zwangs-Einnahmen, 9 Standorten in Österreich und bis zu 20 tüchtigen Korrespondentenbüros weltweit entwickelt. Die jährlichen Kosten für Pensionisten betragen 70-90 Millionen.

….. und jetzt

Wegen seiner Informationsmacht und des prominenten Auftretens zahlreicher ORF- Stimmen und -Gesichter entwickelten manche Mitarbeiter im Laufe der Zeit Allüren, Marotten und Schrullen, bis hin zu einer bizarren Art, zu sprechen- ein typisches Zeichen für soziale Subkulturen.

Der ORF-Quacksprech

Eine der Sprecherinnen in der ZIB begrüßt ihre Opfer am Bildschirm mit „Guten Abendsssss!“ wie einst Kaa im Dschungelbuch. Sodann beginnt sie, stets im Innersten bewegt, händeringend zu berichten. Im Wetterbericht und aus Washington wiederum vernimmt man das seltsame ORF- Eröffnungs- Ah („eine Aaa-wetterfront…“ „der US- Aaa-Präsident..). Man zappt letztendlich, unangenehm berührt, hinüber zum ländlichen Servus-TV mit den eher naturbelassenen Sprecherinnen.

Wie in allen mächtigen Zentralen entwickelten sich auch im ORF diverse Untugenden; Sexuelle Belästigungen von Mitarbeiterinnen, Intrigen, lukrative Nebenjobs und grotesk hohe Pensionen, Es wird interveniert und hineinregiert, dass es ein Graus ist. Der Stiftungsrat stiftet nicht Ruhe, sondern sät als Vollstrecker politischer Wünsche und Befehle nur Zwietracht und Hader.

Der „Anstiftungsrat“

Wie ein Aufsichtsrat sollte er die Eigentümer – Bürger und Gebührenzahler- vertreten. In der Praxis agiert er aber als schamloser Erfüllungsgehilfe der Politik. Das stellt sich derzeit am Beispiel der Hexenjagd auf den Generaldirektor des ORF höchst unappetitlich heraus.

Die Schlangensuppe

In einer Organisation, in der so viele unterschiedliche Interessen, Charaktere, Ambitionen, ideologische Kontroversen und politische Kräfte wirken, entwickelt sich eine spezielle Kultur- wie das Aroma einer Suppe. Dieses wiederum beeinflusst das Verhalten vieler Mitarbeiter, der Nudeln welche in dieser Brühe schwimmen.

Jene, die ihre Interessen besonders aufdringlich vertreten, wirken intensiv auf den Geschmack ein. So kommt es, dass der üble Duft der giftigsten Schlangen aus dem Gebräu besonders hervorsticht.

Diese Erscheinung ist keineswegs auf den ORF beschränkt.

Die Erziehungsanstalt

Die größte Medienorgel des Landes maßt sich insgeheim an, als ideologische Volkserziehungs- Anstalt zu wirken, Bis zum untergrundigen Niveau eines „Radio Moskau“, „Korean Central Television“, „FOX NEWS“ etc. hat es der linkslastige ORF Gott sei Dank noch nicht gebracht.

Gebannt verfolgt der Bürger die Intrigen rund um die Beziehungen des Generaldirektors, eines hochdotierten Noch-nicht- Pensionärs und einer flottem Saxofonistin. Diese unappetitlichen Vorkommnisse sind nicht geeignet, den hehren Anspruch des ORF auf die allein gültige Deutungsmacht von der Parteien Gnaden zu verfestigen

Der fruchtlose Ruf nach Entpolitisierung

Das erste „Rundfunk-Volksbegehren“ fand 1964 statt und erreichte 832.353 Unterschriften. Die erhobenen Forderungen:

  • Entpolitisierung des Rundfunks
  • Ende des Parteiproporz im ORF
  • mehr journalistische Unabhängigkeit
Hugo Portisch (ORF)

wurden halbherzig umgesetzt und verkamen im Laufe der Jahrzehnte bis zum heutigen unbefriedigenden Zustand. Der Ruf nach Entpolitisierung hat sich über die Jahrzehnte hinweg aber taufrisch erhalten. Er verlangt Unmögliches: Bestenfalls kann man dafür sorgen, dass die Gewichtung und Auswahl der Beiträge ideologisch und parteipolitisch ausgewogen erfolgt- mehr aber nicht.

Wie kann man von einer Parfümerie verlangen, geruchsneutral zu werden?