In Ankara trieb man die Vorbereitungen eines Krieges mit Russland zügig weiter. Die Allianz will die Militärhilfe an die Ukraine ausweiten. Kiew soll in diesem Jahr 70 Milliarden Euro an Unterstützung erhalten. Zudem hat man neue Rüstungsbeschaffungen im Umfang von mehr als 50 Milliarden Dollar beschlossen.
Inhalt
Wie man auf der beigefügten Abbildung erkennen kann, umringt die NATO in einer waffenstarrenden Front die Russische Föderation. Diese sei, wie uns täglich berichtet wird, bekanntlich im Begriff, den Feuerring des Westens in Bälde zu durchbrechen und sich Europas mit Waffengewalt zu bemächtigen. (Die knifflige Frage, wo die tiefere Ursache dieser Konfrontation liegen könnte, sei der verehrten Leserschaft überlassen).
Bündnis in der Krise
Erdogan mit dem Gastgeschenk
Die NATO, unter der Präsidentschaft von Harry S. Truman 1949 gegründet, leidet seit Donald Trumps Herrschaft unter Liebesentzug Washingtons. In dieser spannungsgeladenen Atmosphäre traten deren Granden jüngst in Ankara zusammen. Der Gastgeber, Zwingherr Recep Tayyip Erdoğan, verehrte jedem Teilnehmer einen Revolver aus türkischer Fertigung: als Zeichen osmanischer Wertschätzung. Die jüngste Eskalation der Beziehungskrise verdeutlichen aggressive Sprüche des irrlichternden Donalds in Richtung Spanien:
Spain is a wasted cause.
Spain is a terrible partner in NATO.
They don’t participate, they don’t pay.
I don’t want anything to do with Spain.
Cut off all trade with Spain.
Die Europäer umschmeicheln den GRÖPRAZ
Der Hintergrund all dieser Differenzen offenbart sich, wenn man der Spur des Dollars folgt: Die USA beklagen, der Beitrag der Europäer zu deren Verteidigung sei zu mickrig. Die Kernfrage betreffend die tieferen Ursachen der dräuenden Gefahren freilich getraut sich niemand zu stellen: Der GRÖPRAZ, größter Präsident aller Zeiten, könnte ja ein- bzw. endgültig überschnappen).
Um diesem gefürchteten Sinneswandel zu begegnen setzte der stets waffenklirrende deutsche Kanzler mit den leeren Taschen, Friedrich Merz, sein freundlichstes Gesicht auf und gelobte am Ende der NATO– Tagung:
Kriegskanzler Merz (Quelle: Steingart)
„Russland wird seine Kriegsziele nicht erreichen!“
„A lot of love!“ kommentierte Trump die zahlreichen Kotaus der Europäer vor seiner Abreise mit der Air Force One. (Bis er wieder in Washington aufkreuzte, hatte er insgesamt 250 bis 285 Tonnen Kerosin verbrannt und 860 Tonnen CO2 in die Atmosphäre gepustet.)
Die verbalen Kehrtwende des Imperators aus Washington waren wie stets abenteuerlich. Am ersten Tag des NATO- Klimax verkündete er: „Ich glaube nicht, dass der Krieg um den Iran wieder aufflammt. Sie haben ein paar Schiffe beschädigt, und deshalb haben wir sie viel härter getroffen.“ Alles, was weiter passiere, werde sehr schnell vorbei sein und die Lage „nur sicherer“ machen. Zwei Tage später kündigte er den viel gepriesenen Waffenstillstand auf, schwor fürchterliche Rache und schickte die Bomber los. Prompt klettert der Ölpreis wieder.
Diese Beobachtungen diverser internationaler Kommentatoren mögen die Atmosphäre in der NATO charakterisieren.
Die Selbsteinschätzung
Die Welt wird multipolar, die Dominanz des Westens geht zu Ende
Die NATO befindet sich im Wandel.
Die Türkei gewinnt strategisch an Gewicht.
Europa muss mehr Eigenverantwortung übernehmen.
Digitale Sicherheit wird zunehmend wichtig.
Zitate aus der Abschlusserklärung
Das Bekenntnis zur gegenseitigen Beistandspflicht bleibt uneingeschränkt bestehen.
Die Sicherheit der Ukraine trägt zu unserer eigenen Sicherheit bei.
Russland bleibt eine langfristige Bedrohung für die Allianz.
Die transatlantische Zusammenarbeit in der Verteidigungsindustrie muss vertieft werden.
Europa muss militärisch unabhängiger werden
Die Allianz will die Militärhilfe an die Ukraine ausweiten. Kiew soll in diesem Jahr 70 Milliarden Euro an Unterstützung erhalten. Zudem hat man neue Rüstungsbeschaffungen im Umfang von mehr als 50 Milliarden Dollar beschlossen.
Eine subtile Wende nach Osten?
Der Gastgeber, Trumps Bruder im Geiste Machthaber Erdoğan betonte:
„Ohne die Türkei gibt es keine glaubwürdige europäische Sicherheitsarchitektur. Die Türkei ist unverzichtbar“.
Bei europäischen Sicherheitsinitiativen müsse die Türkei, obwohl nicht EU-Mitglied, gleichberechtigt beteiligt werden.
Zahlmeister EU
Die Finanzierung der Waffenbeschaffung obliegt den Europäern. In Deutschland wird dies per „Sondervermögen“ von 100 Milliarden Euro (im Orwell’schen Neusprech: Schulden) erfolgen. Bis 2030 wird die Staatsverschuldung der Bundesrepublik ca. 3,6 Billionen Euro betragen.
In der EU insgesamt sieht die Lage ähnlich aus: Die Summe der Schulden wird bis 2030 auf 18-20 Billionen Euro anwachsen. Einen guten Teil davon wird die US-Waffenindustrie einsacken. Merke: Merz war längere Zeit Deutschland-Chef des größten US-Investmenthauses Blackrock. Das Geld wird u. a. von der Europäischen Zentralbank (EZB) in Sekundenschnelle per Mausklick herbeigezaubert werden. Indirekt schmälert das den Wert des Euro, erhöht die Inflation im EU-Raum und betrifft so auch uns Älpler, hinterrücks und ohne unsere Zustimmung.
Die unfreiwillige Vereinnahmung
Die überfallsartige Vereinnahmung zur Verteidigung gegen den Erzfeind, den wir schon einmal erfolglos überfielen und dort 27 Millionen Tote hinterließen, muss uns das doch wert sein. Die 500.000 bis 800.000 Angestellten in der europäischen Automobilindustrie, deren Arbeitsplätze bis 2030 akut gefährdet sind, hoffen auf Umschulung zu Waffenschmieden. Der Drill der Rekruten, welche mit diesen Waffen ins Gefecht gegen den nunmehr endgültig definierten Todfeind ziehen werden, um ihn diesmal siegreich zu Boden zu werfen, startet ebenfalls.