Zielfindung auf österreichisch

„Ich sag ganz offen: Es wird in der Koalition wieder schwierig, das zu verhandeln“

erklärte jüngst Finanzminister Markus Marterbauer im ORF-Radio. Die drei Koalitionsparteien hatten sehr unterschiedliche Vorstellungen davon, wer wie viel zur Stützung der Landwirtschaft und der Emissionsreduktion beitragen sollte. Angesichts des drittklassigen Kuhhandels gibt es nur Verlierer. Mit dem unausgegorenen Ergebnis können weder die dürregeplagten Bauern noch die Industrie zufrieden sein. Auf der Baustelle bleibt, neben den unmittelbar Betroffenen, aber auch die gesamte österreichische Bevölkerung zurück.

CO2 – Konzentration in Österreich und Extrapolation bis 2040

Im Jahr 2040 sollte Österreich, wenn die bisher veröffentlichen Berechnungen stimmen, klimaneutral sein- 10 Jahre vor dem Ziel der EU. Setzt sich der gegenwärtige Trend fort, dürfte die atmosphärische CO₂-Konzentration über Österreich im Jahr 2040 nahe 470 ppm liegen und wir mindestens weitere 150 Milliarden den bisher versenkten Geldern nachgeschickt haben. (Eine detaillierte Betrachtung der damit verbundenen himmelschreienden und sündteuren Einfalt dazu findet sich unter LINK).

Der krumme Weg zum halben Ziel

Entscheidungen in Dreierkoalitionen, beobachtet von einer bissigen Meute oppositioneller Kritiker, bieten dem Bürger ein gleichermaßen mühsames wie unwürdiges Schauspiel. Es ist in etwa das Gegenteil einer eleganten intellektuell hochstehenden Auseinandersetzung. Dementsprechend enden sie meist in einem unbefriedigenden faulen Kompromiss und allgemeiner Unzufriedenheit.

Eleganz besteht in besonderem Maße darin, mit Leichtigkeit etwas Schwieriges zu tun. Rudolf Nurejew sprang unnachahmlich, man merkte seine Anstrengung nicht. Der Falke bezwingt den Wind mit einem leichtem Zittern seiner Schwingen. Das Können ist es, nicht so sehr die Kraft, welches ihn unnachahmlich macht.

Umgekehrt bringt das Schwitzen, die plumpe Anstrengung, das offensichtliche Keuchen edle Motive und gute Ziele an den Rand des Lächerlichen oder erregt in höchstem Maße Unwillen. Wahre Könnerschaft ist immer elegant und lasst den Zuschauer die Anstrengung nur ahnen, aber nicht bemerken.

Beobachtet man, wie bei uns öffentlich wichtige Entscheidungen vorbereitet, getroffen und umgesetzt werden, kann man sich beim besten Willen eines gewissen Befremdens oder auch einer melancholischen Belustigung nicht erwehren. Unausgegorene Gedanken werden als geistige Luftballons in die Welt gesetzt, die Reaktionen der Koalitionspartner und der Opposition abgetestet, von traditionellen Gegnern blind drauflosgeballert. Auch Gutes wird von jenen verteufelt, die zufällig nicht zu dessen Erfindern zählen.

Der saure Brei

Aus diesem brodelnden Ideenbrei kleistert man unter öffentlichem Getöse und krampfhaftem Schielen nach Beifall oder Missbilligung heillose Kompromisse zusammen, die dann bombastisch als die Lösung irgendeines der gerade dringlichen Rätsel angepriesen werden. Sparpaket, Industriekrise, Klimaerwärmung, Bundesheer, Energiekosten etc. etc- kaum ist ein Konzept mühevoll entwickelt, beginnt bereits der Abbruch des unfertigen Baues. Während sich auf einer Seite die Maurer noch mühevoll plagen, rattern auf der anderen schon die Presslufthämmer der jeweiligen Opponenten. So wird, mit großer Anstrengung und gewaltiger innerer Reibung vor den Augen der staunenden Öffentlichkeit eine große Frage nach der anderen zerredet und halb beantwortet, in die Soße der Unwürdigkeit getunkt und sodann der Allgemeinheit zur Verspeisung vorgelegt. Wen wundert es, dass da viele die Lust am Mitdenken verlieren?

Gefragt: Mehr Aufrichtigkeit

Man könnte nur allzu leicht auf die Idee kommen, diese unwürdige offensichtliche Anstrengung, dieses Ausbreiten von Gemeinplätzen, das plumpe Taktieren und Täuschen, die Wiederholung von längst enttarnten Unwahrheiten läge nun einmal im Wesen der Demokratie und ihrer Entscheidungsprozesse. Ich kann das aber nicht glauben. Es muss am Umgang mit der Wahrheit liegen, am Bewusstsein der eigenen Würde, an der unrichtigen Einschätzung der Zumutbarkeit für die Öffentlichkeit, wenn die Geburt von Gesetzen, Regeln und die Entscheidung wichtiger Fragen einen so schalen Nachgeschmack hinterlassen. Wenn wir alle- nicht nur unsere vielzitierten Politiker- ein bisschen mehr darauf achten würden, ein wenig behutsamer im Reden, ein wenig klarer im Argumentieren, eine Spur aufrichtiger im Umgang mit Andersdenkenden und viel viel weniger eitel in der Auseinandersetzung mit fremden Ideen zu sein- viel mehr Eleganz wäre dann in und rund um uns.