Am ehrwürdigen kirchlichen „Collegium Borromaeum“ in Salzburg bestand Christian Wiederkehr im Jahr 2009 die Matura. Der Sohn eines Ungarn und einer Französin studierte danach Jus und Politikwissenschaften. Nach Auslandsaufhalten und Praktika ergriff er die Laufbahn als Politiker und stieg zum Bildungsminister, entsandt von der 9%- Partei NEOS, auf.

Nächstes Jahr will der pinke Minister die Lehrpläne für die Oberstufe erneuern. Im Zuge einer Zentralisierung soll z.B. die Basis der Fachterminologie der Wissenschaft, Juristen und Mediziner, das Lateinische, der Modernisierung zum Opfer fallen. Angesichts seiner humanistischen Bildung mutet es seltsam an, dass sich Wiederkehr für diese Ab-Kehr stark macht.

Spielball des Zeitgeists

Der pinke Bildungsminister ist der oberste Manager des Bildungssystems, einer Institution, welche die Zukunft einer Gesellschaft in höchstem Maße beeinflusst. Es ist aus diesem Grunde unzähligen Einflüssen ausgesetzt- politischen, weltanschaulichen, religiösen und, in letzter Zeit, ganz neuartigen.

Millionen kulturfremde Flüchtende muss unsere Gesellschaft seit einigen Jahrzehnten wirtschaftlich, sozial, kulturell und ausbildungsmäßig verdauen. Das Schulsystem ist dabei, sowohl was die plötzliche Zunahme der Schülerzahl als auch deren Qualifikation anlangt, hoffnungslos überfordert. Beide Aufgaben wurden von den Vorgängern Wiederkehrs pflichtvergessen unterschätzt, wirksame Vorkehrungen unterblieben in Zuge einer verantwortungslosen Willkommenskultur.


Qualitätsverlust

Der rapiden Zunahme der Zahl von Schülern, die des Lesens und Schreibens, geschweige denn des Deutschen, nicht mächtig sind und daher dem Unterricht nicht folgen können, begegnet man mit halben Mitteln, mit halber Kraft und zu spät, wie es hierzulande eben der Brauch ist. Die fehlenden ausgebildeten Lehrkräfte werden durch Studenten und fachfremde Quereinsteiger ersetzt. Das führt zu einer nicht mehr möglichen Begabtenförderung und massivem Qualitätsverlust in der Bildung, obwohl dies seitens der Verantwortlichen wortreich in Abrede gestellt wird.


Machtlose Lehrerschaft

Wie auf allen gesellschaftlichen Ebenen führt die überall vordringende krypto-kommunistische Gleichmacherei zu einem Autoritätsverlust der Lehrerschaft. Unterschiede in der Leistungsfähigkeit der Schüler und Differenzierung im Zeugnis werden als Unfähigkeit der Pädagogen verunglimpft. Die Folge: Notengebung wird nivelliert, die früher stufenweise erfolgende Auslese wird an das Ende der Ausbildungskette, bis hin ins Berufsleben, aufgeschoben. Ein krasses Beispiel ist die verspätete brutale Ausleseprozedur von Maturanten an den medizinischen Fakultäten. Dazu kommt eine überbordende Bürokratie und Erosion der Qualitätskontrolle der Lehrerschaft durch die Abschaffung von Aufsichtsorganen, wie Landes- und Bezirksschulräten.

Finanzielle Knappheit

Die bisher für den Staatshaushalt verantwortlichen Organe haben der heutigen Regierung ein finanzielles Fiasko hinterlassen, das vor dem Bildungsbudget und den Mitteln für die Lehrerschaft nicht Halt macht. Die Folge: Eine schnelle wirksame Gegensteuerung zu den beschriebenen Übelständen ist aus finanziellen Gründen nicht möglich. Man ist auf Pfusch und die in solchen Fällen immer wohlfeilen, hilflosen Umorganisationsmaßnahmen, die das Fiasko meist weiter vergrößern, angewiesen.


Wiederkehrs „Plan Z“

Der Minister hat jüngst seine Vorhaben zur Besserung veröffentlicht.

„……Hin zu einer „Schule für das echte Leben.“

Schwerpunkte

  • Stärkung des Kindergartens als echte Bildungseinrichtung
  • Fokus auf Kompetenzen statt Auswendiglernen
  • Überarbeitung der Lehrpläne
  • Mehr Praxis in der Lehrerausbildung
  • Entbürokratisierung und mehr Autonomie für Schulen

Ein genauer Plan soll im ersten Quartal 2026 mit Experten, Lehrern, Schülern und Eltern erarbeitet werden. Die Umsetzung ist ab Sommer 2026) geplant. All das Erwähnte umfasst nette Schlagworte, die großteils seit Jahrzehnten gedroschen werden. Der Teufel aber steckt im Detail, und der wird immer riesenhafter. Ob Einsatz von Hilfskräften, Abbau kulturell substanzieller Unterrichtsgegenstände wie Musik-und bildnerische Erziehung, Versuche, das Erlernen einer gehirnentwickelnden eigenen Handschrift einzuschränken, Kompetenzen zwischen Ländern und Regierung zu verschieben etc.- der Widerstand des etablierten Systems und der Zwang leerer Kassen wird dazu führen, dass die Ausbildung unserer Nachkommenschaft einen weiteren massiven Qualitätsverlust erleidet.


Auf die Eselsbank verbannt

Diese Entwicklung wird das Fundament unserer Gesellschaft, die auf höchste Qualifikation angewiesen ist, in den Grundfesten erschüttern. Ganz Österreich könnte in den hinteren Reihen der Industriestaaten, auf der Eselsbank, sitzen bleiben.


Eine Reminiszenz

Als sechzehnjähriger Realgymnasiast verführte mich der Übermut dazu, eine Mitschülerin heimlich in den Hintern zu zwicken. Mein unvergesslicher Lateinprofessor, R.I.P, beobachtete dieses schändliche Tun und verdonnerte mich zum Auswendiglernen der frivolen Geschichte von Pyramus und Thisbe….. Ich kann den Anfang noch heute hersagen:

Pyramus et Thisbe, iuvenum pulcherrimus alter,
altera, quas Oriens habuit, praelata puellis………..

(Thisbe und Pyramus einst, der Jünglinge schönster der eine,
Hoch die andre berühmt vor allen den Mädchen im Osten…)

Das ist schon lange her.

Mittlerweile ist der Faden des Wissens- und Kulturtransfers zwischen den Generationen sowohl in den Familien als auch in den Schulen weitestgehend abgerissen. Ungelernte Hilfskräfte und Schnellsieder- Kurse werden ihn wohl nicht mehr neu knüpfen.