
Auf der Suche nach Orientierung und Halt begegnen wir dem Echten, Vertrauenswürdigen überall dort, wo es unverfälscht, quellrein und treuherzig auftritt: Beim unschuldigen wahrhaftigen Kind, dem tief Gläubigen, beim Betrachten eines vielhundertjährigen Bauernhauses oder eines anständigen Verantwortungsträgers, der aus seiner Seele keine Mördergrube macht. Echt und damit vertrauenswürdig ist etwas dann, wenn es nicht vortäuscht, anders zu sein, als es in Wirklichkeit ist. Ein Mensch, der diesen Ansprüchen genügt, vereint meist auch die seit der Antike geschätzten „Alten Tugenden“ in sich: Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Mäßigung.
Echtheit in der Informationsgesellschaft

In einer Welt der Überflutung mit Information, Propaganda und Werbung, Fake News Krieg führender Parteien usw., ist es für den Bürger schwer, das Wahre und Echte vom Vorgegaukelten zu unterscheiden. „Mit großer Hast und Lärm tritt die Lüge auf; spät und langsam trippelt die Wahrheit herein.“ (A. Schopenhauer, 1851). Der zeitliche Abstand bis zur tatsächlichen Erkenntnis der Wahrheit führt oft zu schweren Fehlentscheidungen. Das gilt auch für Informationen, welche die Künstliche Intelligenz (KI) liefert: Deren Inhalt ist menschengemacht und dementsprechend nicht frei von subjektiven Einflüssen. Nur tiefer gehende Analysen und mühsamer Crosscheck bewahren vor Irreführung und Manipulation. Diese Gefahren sind am größten, wenn der Bürger vor der Menge der Informationen kapituliert und sich in ein Schneckenhaus des Gar-nichts-mehr-Glaubens flüchtet: Dort wohnt der Vogel Strauss.
Künstliche Intelligenz

Künstliche Intelligenz (KI) verarbeitet Algorithmen (diese bestehen aus vielen, wohldefinierten Einzelschritten, Kausalketten) die durch Analyse ungeheurer Datenmengen gebildet werden. So können Informationen aufgearbeitet und konzentriert werden. KI optimiert Prozesse, z. B. bei der Steuerung von Systemen, in der Medizin und anderen Wissenschaften und kann umfangreiche Analysen auch sprachlich wiedergeben.
Risken bestehen im Falle des Datenschutzes und potenzieller einprogrammierter Parteilichkeit bei Analysen und Entscheidungen. KI wird umfassend im militärischen Umfeld eingesetzt. Manche Autoren beschwören sogar eine mögliche Übernahme der Weltherrschaft durch eine entfesselte Version der KI. Verantwortungsvoller Einsatz und ethische Regulierung sind daher entscheidend, um die Vorteile zu optimieren und Risiken zu minimieren.
Persönliche Erfahrung lehrt, dass die Versuchung, KI zu Rate zu ziehen, bevor man seine eigenen Gehirnzellen angespannt hat, groß ist. Man sollte der Verlockung aber unbedingt widerstehen: Zu Anfang befrage man sich selbst, ansonsten wird man, aus Bequemlichkeit, zum Sklaven der aufbereiteten Meinung von Millionen Dritter. Erst danach gehe man der eigenen Meinung auf Basis der Informationen der KI ergänzend auf den Grund.
Das Echte ist stets gefährdet

Die Weitergabe jahrhundertelang erprobter Werte entgleitet den Eltern. Die Prägung nachwachsender Generationen erfolgt immer stärker durch anonyme Medien und einander widersprechende Gesinnungen. Dies hinterlässt orientierungslose, verstörte Gemüter. Im Verein mit der Erosion von Autoritäten entsteht so eine wachsende Kluft zwischen Jung und Alt. Man kann nicht mehr vertrauensvoll und ohne Stress kommunizieren, spricht verschiedenerlei Sprachen, was an die biblische Geschichte von Babylon erinnert: „Verwirren wir ihre Sprache, sodass keiner mehr die Sprache des anderen versteht!“ (1. Mose 11,1-9).
Lehrer- nach den Eltern die wichtigsten Baumeister der Zukunft- resignieren unter der Ohnmacht, sich wirkungsvoll im mehrsprachigen Schulalltag durchzusetzen. Die Elternschaft delegiert auch die Erziehung ihrer Sprösslinge an die Pädagogen. Man erwartet, die Kinder würden dort zu Genies heranreifen. Die zwangsläufig eintretende Enttäuschung wird an den Lehrern abreagiert, welche den Nachwuchs nicht „ausreichend begaben“. All diese Brüche führen dazu, dass die Gesellschaften- nicht nur in Europa- von innen her zerbröseln.
Die Herausforderungen

Politiker, Medienleute, Wissenschaftler und Ökonomen hätten die Verpflichtung, als Beispiele von Wahrhaftigkeit, Anständigkeit und Integrität voranzugehen- nicht nur im Interesse der Allgemeinheit, sondern auch in jenem der eigenen Glaubwürdigkeit. Diese ist das Fundament jeder Autorität, gleichsam ihr Grundkapital. Ein Blick ins aktuelle Geschehen lehrt uns leider das Gegenteil: Der Stil der politischen Auseinandersetzung, der Anstand im wirtschaftlichen Geschehen und die Wahrhaftigkeit der allermeisten Medien ist nicht dazu angetan, sich daran ein Beispiel zu nehmen.
Die Alten Tugenden –
- Treue
- Ehrlichkeit
- Fleiß
- Verlässlichkeit
- Mut
- Pünktlichkeit
und die von unzähligen Generationen unter großen Schmerzen erarbeitete Summe des Erprobten sind heutzutage in vielen Sektoren der Gesellschaft gefährdet oder am Verschwinden. Im Überschwang des Vertrauens in neue Informationstechniken und andere Errungenschaften der technologischen und gesellschaftlichen Revolutionen (Globalisierung, Migration, Emanzipation von sexuellen Randgruppen etc.) läuft man Gefahr, das Kind mit dem Bade auszuschütten. Eine Aufgabe von grundsätzlicher Bedeutung von Verantwortungsträgern und verantwortungsbewussten Bürgern ist es daher, jene gesellschaftlichen, echten Werte, welche unabhängig vom Zeitgeist für eine stabile, gerechte Gesellschaftsordnung unabdingbar bleiben, zu identifizieren, von kurzlebigen Verirrungen zu reinigen, vorzuleben und zu verbreiten.

