Propaganda

„Congregatio de Propaganda Fide“ – Kongregation zur Verbreitung des Glaubens – nannte Papst Gregor XV seine Behörde 1622. Die fromme Übersetzung „Verbreitung“ für „Propaganda“ ist im 20. Jahrhundert mit dem üblen Beigeschmack „Manipulation“, einseitige Beeinflussung, Gehirnwäsche“ ergänzt worden. Insbesondere durch den massiven Einsatz in Kriegen und durch totalitäre Regime ist Propaganda eine unverzichtbare Waffe in der Auseinandersetzung verfeindeter Mächte geworden.
„Der Kern der Idee von kognitiver Kriegsführung besteht darin, dass das Gehirn beides ist: Angriffsziel und Waffe. … nur zwei bis 15 Prozent des menschlichen Gehirns funktionieren rational, bis zu 90 Prozent werden von Emotionen und Instinkten kontrolliert.“ (Tanna Krewson, Architektin des Nato-Konzepts der kognitiven Kriegsführung.)

Durchhalteparolen
Putin und Selenskij übertreffen einander in der Verkündigung ihres jeweils bevorstehenden Sieges, die EU- „Gewaltigen“ wetteifern in der Beschwörung ihres Beistands für die Ukraine. All dies klingt wie das Johlen von Cheerleadern, die ihren Mannschaften Mut zum Durchhalten einflößen. Im Westen und Teilen der ukrainischen Öffentlichkeit ist dieser Mut bedenklich ins Wanken geraten: Siege sehen anders aus als die aktuellen mitleiderregenden Geschehnisse in der Ukraine. Umso geräuschvoller erklingen die Durchhalteparolen der Propagandisten.
Putin sieht sich sich auf der Siegerstraße. Selenskyj beschwört das Heldentum der Ukrainer und seinen Siegeswillen, um die zögernden Unterstützer seines bankrotten Landes zu weiteren Milliardenzahlungen zu motivieren. Die Europäer wiederum benutzen die Siegesprognosen Selenskyjs dazu, um dem wankenden Glauben ihrer Bürger an die Sinnfälligkeit der Fortsetzung des Krieges wachzuhalten.
Das absehbare Ende
Geht man vom wahrscheinlichsten Szenario – Russland und die USA einigen sich früher oder später auf eine Einstellung des Krieges – stellen sich diese propagandistischen Parolen als irreführend und verantwortungslos heraus. Sie zielen auf eine Verlängerung eines längst verlorenen Krieges und die Bemäntelung des Versagens der Diplomatie der EU. Dort hofft man, sich mit halbwegs heiler Haut aus dem selbst angerichteten Scherbenhaufen davonstehlen zu können.
Am Ende des Tages wird man vor einem für die Ukraine und die EU niederschmetternden Szenario stehen.

- Die USA und Russland haben sich auf einen Diktatfrieden geeinigt, der die Ukraine zu großen Gebietsabtretungen zwingt.
- In der Regierung der Ukraine gibt es massive Veränderungen.
- Washington und Moskau teilen untereinander die daraus erwachsenden wirtschaftlichen Vorteile.
- Die von den USA geleisteten Unterstützungen der Ukraine sind gänzlich durch dingliche Sicherheiten abgesichert. (Ukraine Democracy Defense Lend-Lease Act, 2022).
- Derartige Sicherheiten besitzt die EU nicht. Die gewährten Kredite sind abzuschreiben.
- Die EU muss die Kosten für die Aufrechterhaltung des Staates und den Wiederaufbau aufbringen und bezahlt doppelt.
Die strategischen Konsequenzen
Russland spielt für Europa die Rolle des dekretierten Erzfeindes. Alle Vorteile langfristiger Partnerschaften mit Moskau bleiben verschlossen. Die Beistandserklärungen in den NATO- Verträgen sind nicht abgesichert, der Schutz der EU vor der tatsächlichen oder herbeigeredeten Aggression aus dem Osten muss allein dargestellt und finanziert werden. Die dazu erforderlichen Kriegsgüter werden zu einem guten Teil bei US- Firmen beschafft.
Die Europäer haben damit die Konsequenzen für die seit 1990 von den USA per NATO-Osterweiterung provozierten Zusammenstöße mit Russland zur Gänze übernommen, während die USA sich die Beute mit Moskau teilen.
Die Klügeren im Westen sind sich dieser beschämenden Tatsachen wohl bewusst und versuchen, durch Hinausschieben des Fiaskos Zeit zu gewinnen, um Gründe zu konstruieren, warum sie für all des Angerichtete keine Verantwortung tragen. Wie manche Erfahrungen mit der hohen Kunst der Propaganda zeigen, könnte ihnen das sogar gelingen.
Abschreckende Beispiele
Es gibt tragische Fälle, die das eindeutig beweisen: Der ehemalige Vizepräsident der USA, Dick Cheney, und seine Mitarbeiter beim CIA und im Außenministerium mussten das einst widerwillig zugeben. 2003 trompetete die gesamte internationale Presse nach, was man ihr vorgab: „Saddam Hussien im Irak verbirgt in seinen Höhlen und Kasernen Massenvernichtungswaffen, um alsbald damit über die Welt herzufallen“. Zur Verhinderung dessen marschierten die USA ein zweites Mal völkerrechtswidrig im Irak ein. Die Folgen:

- Hunderttausende Tote
- Entstehung des „Islamischen Staates“ (IS)
- Millionen Binnenvertriebene und Flüchtlinge
- Zerstörte Infrastruktur
Die Umsätze und Gewinne der großen US- Rüstungsunternehmen explodierten.
- Lockheed Martin: Kampfflugzeuge, Raketen, Elektronik
- Boeing Defense: Luft- und Raumfahrt, Drohnen
- Northrop Grumman: Aufklärung, Elektronik
- Raytheon: Lenkwaffen, Raketenabwehr
- Halliburton/KBR; Logistik, Infrastruktur
Die Aktionäre erfreuten sich hoher Kurszuwächse an den Börsen.
2005 gab Cheney zu, dass seine Rechtfertigung für den Einmarsch eine propagandistisch aufgehübschte Irreführung von „Analysten“ im US- Apparat war. Konsequenzen gab es keine.

Angesichts derartiger Erlebnisse glaube ich nichts von alledem, was man uns tagtäglich einzutrichtern versucht. Es wird, wie stets, alles ganz anders kommen.
