Schmutzige Wahlverwandtschaften
Was haben Donald Trump und Wolodymyr Selenskyj gemeinsam? Die Lage der beiden könnten ja ungleicher nicht sein: Donald Trump, der US-Präsident, gebietet über den Dollar, die einflussreichsten Nachrichtenagenturen, die größte Militärmacht der Welt und die Möglichkeit, jedem, der ihm missfällt, eine tödliche Ladung einer satellitengesteuerten Drohne zu verpassen. Wolodymyr Selenskyj hingegen ist dabei, einen hoffnungslosen Stellvertreterkrieg gegen das größte Land der Erde zu verlieren, samt eines Drittels seines Heimatlandes.
Diese beiden so Ungleichen verbindet freilich eines: Hybris – Hochmut und Stolz. Trump, der sich brüstet, die Welt binnen kurzer Zeit zu befrieden. Er entführte den Präsidenten eines südamerikanischen Landes, erhebt Anspruch auf Territorien anderer Staaten. Jüngst stellte er Israel die geballte Macht des US-Militärs zu Seite, um die trotzigen Nachfahren des Perserkönigs Kyros II zu unterwerfen. Dazu sei ein Blick in die Geschichte getan.
Die Flammenschrift

Als Belsazar, der Sohn des babylonischen Königs Nabonid, die Jerusalemer Tempelgefäße schändete, erschien eine Flammenschrift an der Wand:
„Mene, Mene, Tekel, U-Pharsin“ (Gott hat dein Reich gezählt, du bist gewogen und zu leicht befunden, dein Reich wird geteilt)
Er wurde 539 v. Chr.zu Babylon, im damaligen Neubabylonischen Reich, heute Irak, von seinen Soldaten umgebracht. (Daniel 5,30). Noch in derselben Nacht fiel die Stadt Babylon an das Heer des persischen Königs Kyros II. Heinrich Heine hat dieses Geschehnis verewigt (s. Schluss des Beitrags).
Drohungen aus Kiew
Wolodymyr Selenskyj und der ungarische Premier, Viktor Orban, sind ziemlich beste Feinde. Die Ukrainer sperrten die „Freundschafts-Pipeline Druschba“ von Samara in Russland bis Százhalombatta in Ungarn, eine der längsten Pipelines der Welt. Der erzürnte Banus in Budapest blockierte als Antwort den von der EU geplanten 60-Milliarden-Kredit an die Ukraine. Darauf wütete Selenskyj und drohte unverhohlen mit Gewalt an seinem Budapester Widerpart:
„Wir hoffen, dass „eine Person in der Europäischen Union“ die erste Tranche von 90 Milliarden nicht blockieren wird und die ukrainischen Soldaten Waffen erhalten werden. Andernfalls geben wir die Adresse „dieser Person“ an unsere Streitkräfte, unsere Jungs weiter. Sollen sie ihn anrufen und mit ihm „in ihrer eigenen Sprache reden!“
Als Antwort folgte die Beschlagnahme eines für die Ukraine bestimmten Geldtransports in Ungarn. Die lokalen Behörden stoppten zwei gepanzerte Geldtransporter, die von Österreich in die Ukraine unterwegs waren. In den Fahrzeugen fanden sich etwa 40 Mio. US-Dollar und 9 kg Gold (zusammen rund 80 Mio. $). Der Verwendungszweck und die Herkunft des Goldes ist unbekannt.
Waffen, Waffen, Waffen….

Hybris und Gewalt ist sind weiter auf dem Vormarsch. Trump bezeichnet sein jüngste Treffen mit den Chefs der größten Rüstungskonzerne des Landes als „erfolgreich“. Die Unternehmen hätten zugesagt, die Produktion hochkomplexer Waffensysteme zu vervierfachen, teilte Trump in Social-Media-Beiträgen am 6. März mit. An dem Treffen nahmen die Vorstandschefs von BAE Systems, Boeing, Honeywell Aerospace, L3Harris, Lockheed Martin, Northrop Grumman und Raytheon teil. In zwei Monaten sei ein weiteres Treffen geplant.
(Nachtigall, ich hör dir trappsen…)
„Stolz kommt vor dem Verderben und Hochmut vor dem Fall.“ (Sprüche Salomos, 16,18).
Belsazar

Die Mitternacht zog näher schon;
In stummer Ruh lag Babylon.
Nur oben in des Königs Schloss,
Da flackert’s, da lärmt des Königs Tross.Dort oben in dem Königssaal
Belsazar hielt sein Königsmahl.
Die Knechte saßen in schimmernden Reihn
Und leerten die Becher mit funkelndem Wein.Es klirrten die Becher, es jauchzten die Knecht;
So klang es dem störrigen Könige recht.
Des Königs Wangen leuchten Glut;
Im Wein erwuchs ihm kecker Mut.Und blindlings reißt der Mut ihn fort;
Und er lästert die Gottheit mit sündigem Wort.
Und er brüstet sich frech und lästert wild;
Die Knechteschar ihm Beifall brüllt.Der König rief mit stolzem Blick;
Der Diener eilt und kehrt zurück.
Er trug viel gülden Gerät auf dem Haupt;
Das war aus dem Tempel Jehovahs geraubt.Und der König ergriff mit frevler Hand
Einen heiligen Becher, gefüllt bis am Rand.
Und er leert ihn hastig bis auf den Grund
Und ruft laut mit schäumendem Mund:„Jehovah! dir künd´ ich auf ewig Hohn –
Ich bin der König von Babylon!“
Doch kaum das grause Wort verklang,
Dem König ward’s heimlich im Busen bang.Das gellende Lachen verstummte zumal;
Es wurde leichenstill im Saal.
Und sieh! und sieh! an weißer Wand
Das kam’s hervor, wie Menschenhand;Und schrieb, und schrieb an weißer Wand
Buchstaben von Feuer und schrieb und schwand.
Der König stieren Blicks da saß,
Mit schlotternden Knien und totenblass.Die Knechteschar saß kalt durchgraut,
Und saß gar still, gab keinen Laut.
Die Magier kamen, doch keiner verstand
Zu deuten die Flammenschrift an der Wand.Belsazar ward aber in selbiger Nacht
Von seinen Knechten umgebracht.(Heinrich Heine)

