Die Welt gerät aus den Fugen

Alle spüren es: Es kracht gewaltig im Gebälk. Nicht nur die Atmosphäre erhitzt sich- auch in den Gemütern der Gewaltigen dieser Welt und jener, die es noch werden wollen, beginnt es bedenklich zu brodeln. Das schon lange morsche Gebälk der Macht kracht in Zeitlupe zusammen. Die Verantwortlichen suchen ihr Heil in neuen Strategien. Bündnisse werden geschmiedet, alte Geleise verlassen, abenteuerliche Wege hastig beschritten. Vielen aber fehlt noch jeder Plan. Jener der EU, sich hastig bis an die Zähne zu bewaffnen und sich weiter in einen nicht zugewinnende Krieg zu verstricken, entsetzt.

Weitblick ist gefragt

Vorausblickende Regierungen bereiteten sich lange vor dem weltweiten Beben sorgfältig vor. „Was wird voraussichtlich passieren? Mit welchen Alternativen müssen wir rechnen? Kann man den Lauf der Dinge rechtzeitig beeinflussen oder wird man sich dem Unvermeidbaren anpassen müssen? Wie werden sich unsere Stärken und Schwächen in der neuen Situation auswirken? So oder ähnlich lautet die Herkulesaufgabe, vor dem die Staatenlenker stehen-auch unsere in Wien.

Die Mächtigen

Schemenhaft zeigen sich Strukturen neuer weltweiter Konstellationen. Die USA demonstrieren unter Donald Trump schamlos, was sie früher unter dem Mäntelchen der Verteidigung „Westlicher Werte“ und der Demokratie verbargen: Den Willen, aus der restlichen Welt das Beste für sich herauszuholen. Dazu ist ihnen nun, noch intensiver und brutaler als je, jedes Mittel recht: Wirtschaftliche und militärische Gewalt, Desinformation, weltweite Propaganda und unverblümte Erpressung missliebiger Regierungen. Nicht unwesentlich für diese nervöse Kursänderung ist die von ihnen selbst unabsichtlich provozierte Bildung des mächtigen Blocks aus China und Russland.

Aufbruch der BRICS- Staaten

Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika, Saudi-Arabien, Iran, Ägypten, Äthiopien, die Emirate stellen ca. 45 % der Weltbevölkerung. Die von Deng Xiao Ping 1978 eingeleitete wirtschaftlichen Revolution hat die Chinesen dazu ermutigt, den Hegemon jenseits des Pazifiks zu überholen und die Führung anzustreben. Die neue Allianz wehrt sich gegen Bevormundung.

Die kleinen Neutralen

Singapur, Südkorea, Taiwan, die Schweiz – sind glanzvolle Beispiele dafür, dass es auch Winzlingen möglich ist, zwischen den Füßen der Giganten aufzublühen, ohne großen Blöcken anzugehören. Innovationskraft, Neutralität, Exportorientierung und Spezialisierung haben zu wirtschaftlichen Erfolgen geführt, die jene der Mächtigen bei Weitem in den Schatten stellen. Sie sind leuchtende Beispiele dafür, wozu Österreich wieder werden könnte. Dazu unten mehr.

Die Europäische Union

Die EU vertritt 5,5 % der Weltbevölkerung und 17% der Wirtschaftskraft der Welt. Trotz dieser Dimension hat der europäische Staatenbund seit der Konferenz in Lissabon 2007 fast alle seiner hochgesteckten Ziele verfehlt.

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  1. Die internationale Wettbewerbsfähigkeit verschlechterte sich.
  2. Die wichtigsten Innovationen (Halbleitertechnik, Kommunikation, Elektromobilität, Militärtechnik und KI) erfolgten in den USA und China.
  3. Erschwerter Zugang zu Arbeit und Lohnentwicklung förderten atypische Beschäftigungsarten.
  4. Der soziale Zusammenhalt wurde durch die sich weiter öffnende Einkommensschere und unkontrollierte, durch Gesetze und Gerichte noch geförderte Immigration beschädigt.
  5. Die Wirtschaft litt durch hohe Umweltauflagen und die Verteuerung importierter Energie. Der CO2- Gehalt der Atmosphäre stieg hingegen trotz ungeheurer Investitionen ungehindert linear an.

Derzeit schwindet die Wahrscheinlichkeit einer baldigen Beendigung des Krieges in der Ukraine , da niemand zugeben will, mit der bisherigen Politik einen historischen Fehler begangen zu haben.

Im Rückblick ist dieses Multiorganversagen auf dieselben Fehlentwicklungen zurückzuführen wie der einstige Zusammenbruch der Sowjetunion:

  • Überbordender Zentralismus.
  • Unfähiges Personal an Schlüsselstellen.
  • Ausufernde Bürokratie.
  • Kapitalvernichtung durch verlustreiche Transfers.
  • Überdehnung des Einflussbereichs.

Der Weg aus dem Multiorganversagen

Die Lebensadern einer Gesellschaft sind Bildung, Ambition und gemeinsame Anstrengung. Diese drei Arterien wurden in Europa in den letzten Jahrzehnten- teils sogar absichtlich- abgeschnürt. Folgerichtig ist der Weg in eine fruchtbare Zukunft durch eine unbedingte Konzentration auf diese Quellen des Erfolgs definiert.

“Genius is 1% Inspiration and 99% Perspiration.” (Thomas A. Edison).

Es gilt, Motivation, Erwartung, Ambition und Begeisterung der nachwachsenden Generation neu zu beflügeln. Dazu sind erforderlich-

  • Kompetente, mitreißende Führungspersönlichkeiten
  • Lohnende, motivierende Ziele für jeden Einzelnen
  • Einigkeit in den Führungsebenen
  • Glaubwürdige Zukunftskonzepte
  • Diplomatisch geschickte Positionierung in der Neuen Weltordnung

Für uns alpenländischen Zwerge gilt dasselbe wie für die Europäische Union. Um es den zitierten „Kleinen Neutralen“ gleichzutun, genügt aber selbst das nicht. Solange wir nicht weitestgehend wieder Herr im Hause werden, gilt der einst für Passagiere auf gekaperten Schiffe geprägte Spruch…….

…..mitgefangen- mitgehangen…

  • Die Wahrscheinlichkeit, dass auch nur eine der angeführten Voraussetzungen in der EU in absehbarer Zeit geschaffen werden kann, geht gegen null. Ohne eine massive Änderung der Strukturen ist das unmöglich.
  • Ihre Selbstreinigungskraft ist durch eine sich selbst im Wege stehende Konstruktion und die Uneinigkeit der Mitgliedsstaaten blockiert.
  • Daraus resultiert, dass es eines drastischen Anlasses (schwere Wirtschaftskrise, innere Unruhen, Krieg u.a.) bedürfte, um eine nachhaltige Änderung zu ermöglichen.

Einer derartigen Gesundung muss unweigerlich eine schwere Krise vorausgehen. Jede dieser kritischen Situationen würde aber auch die Zukunft des Staatenbundes insgesamt infrage stellen. Einige Anhaltspunkte wird uns das heute angebrochene „Jahr der Erkenntnis“ bereits verschaffen.

Und- nicht zu vergessen! – wir haben schon ganz andere Krisen gemeistert!