Fassungs-und ratlos blickt die Welt nach Washington. Was von dort in letzter Zeit kommt, sprengt den Rahmen all dessen, was bisher gewohnt war. Was verkörpert der irrlichternde US- Präsident? Vieles schreckt die verwöhnten, friedfertigen Europäer ab. Etliches aber sollte sie aufrütteln.

Donald der MAGA-Mann

„Make America Great Again!“ Sein Weg ist mit einer Reihe von bis an äußerste Grenzen gehenden Absichten gepflastert. Die geballte US- Macht wird rücksichtslos eingesetzt: Armee, Zölle, Propaganda, wirtschaftliche Erpressung. Umweltauflagen gelten als Wachstumshemmnisse, Migration als Bedrohung für Sicherheit, Arbeitsplätze und kulturelle Identität. Sein „Great America“ ist ein wirtschaftlich abgeschotteter, konservativer, aggressiver, hoch erhobenen Hauptes daherkommender Nationalstaat, der sich anmaßt, internationale Regeln selbst zu definieren.

Donald der Fürst

Niccolo Machiavelli (1469-1527) hat den erfolgreichen Fürsten beschrieben. Dieser steht über den Gesetzen. Ihm ist erlaubt, zum Wohle seines Landes zu lügen, Mord und Gewalt anzuordnen, andere brutal zu unterwerfen und die eigene Macht mit allen Mitteln abzusichern. Macht geht vor Moral, Furcht ist verlässlicher als Liebe. Machiavellis Vorbild, der vormalige Condottiere Cesare Borgia, ist freilich kein gutes Omen für Trump: Nach brutaler Herrschaft und dem Tod seines Vaters, Papst Alexander VI., verlor er die Macht, wurde verhaftet, verbannt erlitt 1507 den Tod.
Diesem entrann Donald Trump, buchstäblich um Haaresbreite, am 13. Juli 2024 anlässlich eines Attentats in Butler, Pennsylvania.

Donald der Dealmaker

Jede Beziehung hat, gemäß dem Verständnis des ehemaligen Immobilienhändlers, einen Gewinner und einen Verlierer. Kompromisse haben in seiner Denkwelt keinen Platz. Er beginnt Verhandlungen mit unrealistischen Extremforderungen, um sein Gegenüber zu verunsichern, begleitet von öffentlicher unfairer Kritik und blanken Erpressungen. Unter Politik versteht er nicht gemeinsames Gestalten, sondern Wettbewerb, in dem Stärke demonstriert und Vorteile erzwungen werden müssen. Am wichtigsten ist ihm dabei, das Ergebnis als persönlichen Sieg darzustellen.

Donald der Narzisst

Der römische Dichter Ovid (43 v. – 17 n.Chr.= erzählt die Legende von Narziss, der sich sich in sein eigenes Spiegelbild verliebte. Verzweifelt erkannte er letztendlich, dass seine Liebe niemals erwidert werden konnte. Er verzehrte sich in Sehnsucht und starb. An der Stelle seines Todes wuchs eine Blume: die Narzisse.

Die Besessenheit von sich selbst, eingeschlossen die Sucht, alles und jedes nach sich selbst zu benennen, die Gier nach Auszeichnungen und Preisen, ist eine der stärksten Kräfte in Trumps Charakter. Kritik wird als Angriff aufgefasst, aufbrausend abgewehrt oder mit Abwertung anderer beantwortet. Dieses zerbrechliche Selbstwertgefühl ist eine unstillbare Sucht und bedarf andauernder Bestätigung. Die unentwegte Erwartung, bevorzugt behandelt zu werden produziert einen Hofstaat von Speichelleckern und Kriechern.

Donald die Gefahr

Donald Trump ist die Inkarnation eines mit zweifelhaften Mitteln emporgekommenen ungebildeten und eitlen Proleten, Frauenverächters und selbstverliebten Narzissten. Er lügt, ist ein unberechenbarer Wendehals und das krasse Gegenteil eines „Weisen Staatenlenkers“ (Platon) Seine irrlichternden Verhaltensweisen rütteln an den Fundamenten des friedlichen Zusammenlebens der Völker und stellen eine latente Gefahr für den Weltfrieden dar.

Donald das Vorbild

Etliche Eigenschaften und Pläne Trumps können den verweichlichten und unentschlossenen Europäern als Vorbild dienen. Identifikation der Stärken und Schwächen des Staates, Abkehr von schwärmerischen, unerfüllbaren Weltverbesserungsfantasien, energische Vertretung der eigenen Interessen, Bremsen der Zuwanderung sind Handlungsweisen, die den EU-Staaten zum Vorteil gereichen würden. Dazu gehört auch das Erzeugen des Bewusstseins eigener Stärken- nicht durch leeres Wortgeklingel, sondern als sichtbares Verhalten, wirkliche Taten und Erfolge.

Donald und die Zukunft

Der US-Präsident vereint in sich den absoluten machiavellistischen Fürsten, den Reformer, einen selbstverliebten Narzissten, das Chamäleon und die hundertköpfige Hydra. In jeder dieser Rollen kann er verabscheuungswürdig, bewundernswert und manchmal auch beispielgebend daherkommen. Was von seinem realen Wirken und dem seiner Gefolgschaft aber wird Bestand haben? Das hängt hauptsächlich von dem Pferd, das er reitet– dem Volk der US-Amerikaner- ab.

Jüngst postete dazu ein Kommentator in diesem Blog:

„Wir sollten auch hinterfragen ob denn die USA ihrem Selbstlob überhaupt gerecht zu werden vermag. Als Seemacht, in der Luft, im Weltall sind sie die dominierende Macht. An Land aber fehlen ihnen die ausreichenden Kapazitäten. Nicht umsonst haben sie in den vergangenen Jahrzehnten Einfluss um Einfluss verloren, denn an Land leben die Menschen in ihren jeweiligen Organisationsformen.

Eine Nachkriegsordnung stellen sie schon seit geraumer Zeit nicht mehr her. Diese Fähigkeit, so bin ich überzeugt, ist aber das grundlegende Kriterium einer Supermacht. Nur Zerstörung und Chaos zu erzeugen schaden mehr als sie nutzen. Ich meine die USA sind keine Supermacht. Wir sollten sie auch so behandeln. Das derzeit stattfindende „Getrumpel“ ist eher das wild-um-sich-Schlagen eines Ertrinkenden.

Rettungsschwimmer wissen: Abstand halten ist zur Selbstsicherung erforderlich.
Die Welt ohne USA hat alles, was notwendig ist“