Die Götter erschufen einst Pandora, „Die Allbeschenkte.“
Als Geschenk erhielt sie eine Büchse, die sie nicht öffnen durfte. Sie tat es dennoch.
Aus der Büchse entwichen sieben Übel:
- Krankheit
- Tod
- Leid
- Hunger
- Neid
- Krieg
- Schmerz
Nur die Hoffnung blieb in der Büchse zurück. Diese Sage Hesiods (zwischen 750 und 650 v. Chr.) erinnert in vielen Einzelheiten an die verantwortungslosen Aktionen Donald Trumps.
Pandoras Nachfolger

Als ob die zahllosen Probleme der Menschheit nicht übergenug wären, zündet der bizarre US-Präsident im Wochentakt neue Feuerwerke. Mit der unüberlegten Entfesselung eines Kriegs im Mittleren Osten öffnete er wiederum die Büchse der Pandora, ohne zu wissen, wie er sie wieder schließen kann. Wie das Abenteuer, das derzeit die ganze Welt in Atem hält, ist nicht abzusehen. Nur wenige Profiteure- Waffenproduzenten und Spekulanten- können sich über fette Profite freuen. Schon Präsident Eisenhower (1890-1969) warnte vor den Gefahren eines „Militärisch – Industriellen Komplexes: Ohne Krieg kein Waffengeschäft“. Dazu ein Gedankenexperiment: Man stelle sich vor, es gäbe plötzlich keine Krankheiten mehr: Was würde aus der Pharmaindustrie?
Das Alte wankt….

Trumps Höllenritt ist freilich nur eine der vielen Entwicklungen, die derzeit in die negative Richtung laufen. Die alte Ordnung – dollarzentriert und westlich geprägt – herrscht noch, aber mit Mühe. Parallel dazu formt sich ein dezentrales Machtsystem- nicht als vollständiger Ersatz, sondern als ergänzende Alternative.. Dabei gibt es keine einfache Rückkehr zum Gleichgewicht. Bis es- vielleicht- erreicht sein wird, dauert der Kampf widerstreitender Mächte an.
„Demokratie und Marktwirtschaft verlieren an Boden. Weltweit sind autoritäre, korrupte und wirtschaftlich ineffiziente Regierungen im Vormarsch;“ konstatiert die Bertelsmann Stiftung.. Man fragt sich dabei insgeheim, ob diese Entwicklung tatsächlich nur einem Vormarsch von Bösewichten oder vielleicht auch einer Massenflucht vor dem Versagen demokratischer Systeme zu verdanken ist- ein Thema, das zu weiterem Nachdenken anregt.
Die Herrschaft der Gewalt

Verschwindet die internationale Zusammenarbeit? Früher war Globalisierung darauf ausgerichtet, Dinge billiger, schneller und effizienter herzustellen. Heute wird sie von anderen Kräften gesteuert als bisher: Weg von Effizienz und gegenseitigem Vorteil, hin zu Rivalität und egoistischem Sicherheitsdenken.
Mullahs und Houthis, Viktor Orbán und Wladimir Putin, die USA und die Volksrepublik China – jeder tut, was er kann, um anderen seinen Willen aufzuzwingen. Wenn die EU nicht rasch eine Antwort auf diese brutalen Umgangsformen findet, bleibt sie auf der Strecke.
Das Prinzip Hoffnung
„Der Prozess der schöpferischen Zerstörung ist die wesentliche Tatsache des Kapitalismus.“
(Joseph A. Schumpeter, Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie (1942).
Ob die derzeit laufende Zertrümmerung der meisten althergebrachten Ordnungen wirklich schöpferisch ist?Der Optimist sucht im Wust der möglichen Zukünfte stets das Positive. Davon gibt es genug-man muss nur die Augen weit aufmachen.
„Zuerst hatten wir kein Glück, und dann kam auch noch Pech dazu.“
(Jürgen Wegmann, Borussia Dortmund). So könnten die Granden in Brüssel lamentieren, angesichts der Gefahr der Zerquetschung zwischen den zwei großen Blöcken. Etliche Lichter blinken bereits am Horizont:
Die mittelgroßen Länder verbünden sich gegen die Großen, allen voran USA und China, das wirtschaftliche Potenzial ist immens. Gemessen am BIP bilden diese „Mittelmächte“ ein Gegengewicht zu den USA und China, gemessen an der Bevölkerung übertreffen sie die USA bei Weitem.
Hoffnung Jugend?

Donald Trump führt Kriege, erhebt Zölle, greift nach Grönland und Kuba. Wer nicht für ihn ist, ist gegen ihn. Die EU reagiert, nach einer halbjährigen Schrecksekunde und schließt Freihandelsabkommen wie am Fließband: Mercosur, Indien, Indonesien, Thailand, Australien.
Alles Neue brüten die nachwachsenden Generationen aus. Meistens- nicht immer – wurden die Eier von der vorhergehenden Generation hinterlassen.
Noch vor einem halben Jahrhundert, waren die prägende Instanz für die Jugend die vorhergehende Generation und deren Erzählungen. Wertvorstellungen wurden praktisch vorgelebt und überliefert: in der Familie, der Schule, der Kirche. Der Staat wirkte als Vorbild, man strebte eine feste Anstellung in einem möglichst attraktiven Beruf an.
Heutzutage wirken viele andere Kräfte in das Gemüt der Jungen ein. Die ganze Welt mischt sich in die Konditionierung der nachwachsenden Generation. Social Media, gleichaltrige Vorbilder- “Influencer“, Einflüsse aus anderen Kulturen mischen sich in die Spuren der immer mehr verblassenden lokalen Werten der Mütter und Väter. Dementsprechend anstrengend und verwirrend wird die Suche nach Sinn, Freiheit und Selbstverwirklichung werden zu bestimmenden Kräften. Dass die Freiheit des Einzelnen gleichzeitig die Behinderung des anderen darstellt und der Ausgleich dieser einander widerstrebenden Kräfte ein mühsames Unterfangen ist, bleibt dabei nur allzu oft auf der Strecke.
Einst lautete die Devise:

„Werde ein nützliches Mitglied der Gesellschaft!“
Heute kämpft der zunehmend orientierungslos im Wirrwarr unterschiedlicher Einflüsse suchende Jugendliche mit der egozentrischen Frage:
„Finde heraus, wer du selbst bist.“
Was bleibt?
Die Suche des Autors nach Anlässen zum Optimismus blieb unergiebig. Im Kleinen, Privaten hat sich viel verbessert: Einst tödliche Krankheiten haben ihre Schrecken verloren, der kleine Mann kann sich Dinge leisten, von denen er früher nur träumen konnte. Der Staat kümmert sich um alles und jedes-die Eigeninitiative bleibt dabei auf der Strecke. Im Großen allerdings, dort, wo die Weltmächte aufeinander eindringen, beobachtet man ein zunehmendes Tohuwabohu. Dasselbe gilt für die ethischen Regeln in den Seelen der Jungen: Unsicherheit und Orientierungslosigkeit verhindern das Entstehen von Ordnung und Gemeinsinn. Es ist dasselbe Bild, welches der Blick in die großen Umbrüche weltweit vermittelt.
Wo in diesem Umfeld der Keim zu einer neuen großen Ordnung des Zusammenlebens herkommen soll, ist derzeit nicht abzusehen. Es bleibt nur die Hoffnung aus der Sage von Pandora- und Friedrich v. Schillers Trost:
„Das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit,
Und neues Leben blüht aus den Ruinen.“
