Die USA feiern heuer ihr 250-jährigen Jubiläum der Unabhängigkeit.
„Amerika ist zurück!“
bekräftigte Donald Trump anlässlich einer Rede am 24. Juni 2026 auf der National Mall in Washington.

„Die USA sind wirtschaftlich, militärisch und kulturell wieder führend. Das Beste kommt erst noch!“
Allerdings glauben nur mehr 19 % der Amerikaner, dass die Unterzeichner der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten mit der Entwicklung der USA zufrieden wären.
Die Gründerväter
Die Unabhängigkeitserklärung wurde am 4. Juli 1776 verabschiedet, ihr Hauptverfasser war Thomas Jefferson. Die Erklärung formulierte universelle Ideale von Freiheit und Gleichheit. Schon damals bestanden erhebliche Widersprüche zwischen diesen Idealen und der Realität:
- Die Sklaverei blieb bestehen.
- Frauen besaßen keine politischen Rechte.
- Viele indigene Völker wurden nicht als gleichberechtigte Bürger anerkannt.
Der Wahn der Größe

Diese Ungleichheiten wurden nach und nach, unter großen Opfern (Indianer – und Bürgerkrieg) beseitigt. Die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit wurde in den letzten Jahrzehnte allerdings wieder größer. Die wirtschaftlichen und militärischen Erfolge stiegen den USA zu Kopf. Seit 1945 verwickelten sich die USA in zahlreiche Kriege. Kein einziger wurde formell erklärt.
- Koreakrieg
- Vietnamkrieg
- Dominikanische Intervention
- Invasion von Grenada
- Invasion Panamas
- Golfkrieg
- Kosovokrieg
- Krieg in Afghanistan
- Irakkrieg
- Militärintervention in Libyen
- Luft- und Spezialoperationen in Syrien, Jemen, Somalia und anderen Ländern.
Diese Auseinandersetzungen forderten mindestens 5 bis 8 Millionen Todesopfer, (alle außerhalb der USA) destabilisierten ganze Weltregionen und trieben zahllose Menschen in die Flucht. Europa wird seither von Millionen Asylanten geflutet.
Zweierlei Maß
Nach dem Ende des Kalten Krieges urteilte Michail Gorbatschow:
„Die USA sind das Fieber der Welt“.
Mittlerweile hat dieses Fieber auf die Ukraine, Venezuela, den Iran und Kuba übergegriffen. Weitere Kandidaten von der USA Gnaden sind Panama, Kanada und Grönland. In den letzten Jahren, insbesondere jenen der Präsidentschaft Donald Trumps, wurden viele Ideale der Gründervater in der Realität mit Füßen getreten. Sie stehen in schreiendem Gegensatz zu den Maßstäben, mit denen andere Länder behandelt werden. Offen trägt man in Washington zur Schau, diese als zweitklassig und zu bevormunden ansehen. Wenn einzelne Kandidaten störrisch und nicht willig sind, braucht man eben Gewalt.
O-Ton Trump:
Gegen Nordkorea, 2017: „…mit Feuer und Zorn, wie die Welt ihn noch nie gesehen hat.“
Gegen Grönland, 2024–2025: „…..keine Option ist vom Tisch“.
Gegen Iran, 2020: „…wir haben 52 iranische Ziele identifiziert und werden diese „sehr schnell und sehr hart treffen, falls Teheran bestimmte Aktivitäten nicht einstellt. “
Dass die wahren Motive aus machtpolitischen und wirtschaftlichen Interessen bestehen, ist offenkundig. Wozu sonst bräuchte eine Nation, die sich sicher auf einer riesigen Insel zwischen zwei Ozeanen befindet, die gewaltigste Militärmaschinerie der Welt? Jüngst benannte man das Verteidigungsministerium zu Kriegsministerium um: Ein Offenbarungseid, dem jahrzehntelanges Tarnen und Täuschen vorangegangen war.
Gehirnwäsche und Kolonialismus
Erst im Rückblick gehen dem Zeitgenossen nach und nach zahlreiche Lichter auf. Meine Generation und einige danach wurden mit allen verfügbaren Mitteln dazu veranlasst, die USA, ihre Politik, Geschichte, Ideale und Handlungen für das alleinig Gute zu halten. Allein- was uns als Jugendliche begeistert hatte: die edlen Sheriffs im Wilden Westen, die jeglichen Bösewicht aus der Hüfte erledigten, die angeblich selbstlosen Motive hinter den Militäroperationen in Korea und Vietnam usw.- viele der gepriesenen Ideale entpuppen sich in der Rückschau als Lippenbekenntnisse und dreiste Täuschungen. Das alles erinnert an längst abgehalfterte europäische Kolonisatoren, die vor 150 Jahren ähnlich „tugendhaft und gottgefällig“ die ganze Welt ausbeuteten: Ein blutiger, abscheulicher Atavismus.
Die Schadensbilanz

Das Unheil, welche die USA mit ihrem missionarischen Gehabe auf der Welt angerichtet haben, ist unermesslich und in Zahlen nur unzulänglich erfassbar. Allein in letzter Zeit nahm es kolossale Ausmaße an.
Irankrieg
- Zehntausende Tote und Verletzte
- Schaden für die Weltwirtschaft
- Bis zu 2,2 Billionen US-Dollar durch Energiepreiserhöhungen
- Handels- und Lieferkettenstörungen.
Ukrainekrieg
- Zivile Opfer Ukraine:
- Mindestens 15.000 Tote und über 45.000 Verletzte seit 2022;
- Militärische Opfer Ukraine:
- 500.000–600.000 Gefallene, Verwundete, Vermisste.
- Militärische Opfer Russland: 1,0–1,2 Millionen Gefallene, Verwundete, Vermisste.
- Europa: Wirtschaftskrise, Energieknappheit, Verlust der internationalen Wettbewerbsfähigkeit
Was bleibt?

Die USA haben sich von ihren am 4. Juli 1776 definierten Idealen himmelweit entfernt. Diese hängen als verstaubte Heiligenbilder in der Kuppel des Kapitols und im Weißen Haus.
Donald Trump fügte diesem traurigen Niedergang das bisher düsterste Kapitel hinzu. Anstelle Amerika „wieder groß zu machen“ hat er es gegenüber dem Iran vor aller Welt verzwergt, lächerlich und unglaubwürdig gemacht und in einer Flut von Schulden versinken lassen.
Selbstbild Donald Trumps:
„Everything is great, in the best shape, progressing well, extraordinary, and we all are extremely optimistic“
Zum Bekehrungswahn der USA, frei nach F. Schiller (Wilhelm Tell, 1804):
„Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem gottgesandten Nachbarn nicht gefällt.“
Anhang
Die Ukraine- Tragödie: Hintergründe und sachdienliche Literatur

- Mikhail Gorbachev (sowjetischer Präsident): Er erhielt mehrmals Zusicherungen von westlichen Führern. In einem Treffen am 9. Februar 1990 mit US-Außenminister James Baker stimmte Gorbachev zu, dass eine NATO-Erweiterung “unannehmbar” sei, und Baker versicherte ihm, dass die NATO-Jurisdiktion “nicht einen Zoll nach Osten” erweitert werde. Gorbachev hat dies in späteren Interviews bestätigt, z. B. dass westliche Führer wie Baker, Kohl und Bush ihm Garantien gaben, die NATO nicht über das vereinte Deutschland hinaus auszudehnen. allerdings widersprach er sich in anderen Aussagen, z. B. 2014, wo er angab, das Thema NATO-Erweiterung sei “nie diskutiert” worden. In einem weiteren Interview 1999 erwähnte er jedoch explizit, dass Helmut Kohl und die Amerikaner ihm versprochen hätten, die NATO “keinen Zentimeter weiter nach Osten” zu bewegen.
- Eduard Shevardnadze (sowjetischer Außenminister): Er bestätigte später, dass es “kategorische Zusicherungen” gab, die NATO nicht nach Osten zu erweitern.
- Boris Yeltsin (russischer Präsident ab 1991): Yeltsin protestierte 1993 gegen die NATO-Osterweiterung und erinnerte an frühere Zusagen. In einem Brief an westliche Führer forderte er gemeinsame Sicherheitsgarantien für Osteuropa und sah die Erweiterung als Verletzung früherer Versprechen.
- James Baker (US-Außenminister): Baker ist zentral, da er Gorbachev am 9. Februar 1990 dreimal die Formulierung “not one inch eastward” (nicht einen Zoll nach Osten) für die NATO-Jurisdiktion verwendete. Er versicherte, dass die USA keine einseitigen Vorteile aus der deutschen Einheit ziehen würden und die NATO nicht erweitert werde, solange Deutschland in der Allianz bleibe. Später leugnete Baker jedoch, dass es ein formelles Versprechen gab, und betonte, es sei nur um Ostdeutschland gegangen.
- Helmut Kohl (deutscher Bundeskanzler): Kohl versicherte Gorbachev ähnlich wie Baker, dass die NATO nicht nach Osten erweitert werde. In einem Bericht an Kohl wiederholte Baker Gorbachevs Bedenken und implizierte, dass die NATO in ihrer aktuellen Zone akzeptabel sein könnte, aber nicht erweitert.
- Hans-Dietrich Genscher (deutscher Außenminister): Genscher schlug am 31. Januar 1990 vor, dass die NATO ihr Territorium nicht nach Osten erweitern solle, weder in die DDR noch anderswo in Osteuropa. Er teilte dies Baker mit und betonte, dass die NATO “nicht ihr territoriales Coverage auf das Gebiet der DDR oder irgendwo sonst in Osteuropa” ausdehnen werde.
- George H.W. Bush (US-Präsident): Bush stand hinter Bakers Zusagen und bot “eiserne Garantien” an, dass die NATO nicht nach Osten erweitert werde, im Austausch für sowjetische Kooperation bei der deutschen Einheit.
- Jack Matlock (US-Botschafter in Moskau): Matlock bestätigte, dass es “categorical assurances” (kategorische Zusicherungen) gab, die NATO nicht nach Osten zu erweitern. •
- Roland Dumas (französischer Außenminister): Dumas erinnerte sich später an ein Pledge, dass NATO-Truppen nicht näher an sowjetisches Territorium rücken würden. •
- Robert Zoellick (US-Diplomat): Zoellick, der an den Verhandlungen beteiligt war, leugnet jegliches Versprechen und betont, Gorbachev habe die deutsche NATO-Mitgliedschaft akzeptiert, ohne Erweiterungsverbot. Er argumentiert, dass es keine schriftliche Vereinbarung gab und Russland das nie schriftlich gefordert habe. •
- Robert Gates (US-Stellvertretender Sicherheitsberater): Gates schlug am 9. Februar 1990 dem sowjetischen KGB-Chef vor, dass NATO-Truppen nicht weiter nach Osten als ihre aktuelle Position vordringen würden. Kontext und Debatte:
Viele Quellen, darunter deklassifizierte US-, sowjetische, deutsche, britische und französische Dokumente, deuten auf informelle Zusicherungen hin, die jedoch nicht bindend waren und sich primär auf Ostdeutschland bezogen. Kritiker argumentieren, dass es keine formelle Vereinbarung gab und das Thema in späteren Verträgen (z. B. dem 2+4-Vertrag) nicht erwähnt wurde. Russische Führer wie Putin sehen dies als Verrat, während westliche Vertreter betonen, dass die Sowjetunion die Erweiterung nie schriftlich verboten habe. Historiker wie Joshua Shifrinson schließen aus Archiven, dass es einen informelles “Deal” gab, den der Westen später ignorierte.
George F. Kennan, Architekt der amerikanischen Containment-Strategie, warnte 1997 ausdrücklich vor einer NATO-Osterweiterung. In der „New York Times“ bezeichnete er sie als „tragischen Fehler der amerikanischen Politik nach dem Kalten Krieg“, der vorhersehbar zu Gegenreaktionen Russlands führen werde.
Die Erweiterung der NATO war kein neutraler, selbstlaufender Prozess souveräner Willensbildung, sondern wurde durch aktive politische, institutionelle und ökonomische Einflussnahme flankiert.
Softpower wurde über Jahre hinweg durch politische Zusagen, sicherheitspolitische Rahmungen, institutionelle Anreize und erhebliche finanzielle wie organisatorische Unterstützung aktiv gefördert. Sie wirkten dabei als zentrale Hebel westlicher Einflussnahme.
Der amerikanische Politikwissenschaftler John J. Mearsheimer weist seit Jahren darauf hin, dass Großmächte sicherheitspolitische Einflusszonen aus struktureller Logik verteidigen, nicht aus Ideologie. Entscheidend ist nicht allein die formale Freiwilligkeit einzelner NATO-Beitritte, sondern die kumulative Wirkung eines Prozesses, der aus Moskauer Sicht zu einer schrittweisen strategischen Einkreisung führte.
Hier finden Sie einen Link, der Sie zu einer ausführlichen Liste gesammelter Literatur führt. Diese vom Autor durchgeführte Sammlung begann bereits 2014, sodass manche Links nicht mehr funktionieren. Sie wurden unlängst ergänzt.
