Der Spruch „Das Blatt wendet sich“ stammt aus der Welt der Kartenspiele. Das Wort „Blatt“ bezeichnete seit dem Mittelalter ein Spielkartenblatt bzw. die Karten, die ein Spieler in der Hand hielt. Wenn im Verlauf des Spiels einer der Spieler bessere Karten erhielt, „wendete sich das Blatt“: Das Glück oder die Lage schlägt um. Dieses Sinnbild wird seit einigen Monaten auch für eine- tatsächliche oder herbeigeredete- Änderung im Krieg um die Ukraine verwendet.
Ein nicht erklärter Krieg

Seit der Ende 2025 erfolgten 90-Milliarden-Schenkung der EU überschlagen sich die Meldungen über Erfolge der Ukraine im Krieg mit Russland. Es gelang, nach Steigerung der Produktion von Drohnen, mit technischer und logistischer Unterstützung der NATO und EU, den Krieg bis vor die Tore Moskaus zu tragen. Ohne westliche Unterstützung wäre der rasche Aufbau dieser Fähigkeiten nicht möglich gewesen. EU und NATO kämpft so Seite an Seite mit der Ukraine in einem nicht erklärten Krieg gegen Russland.
Propaganda und Wirklichkeit

Gleichzeitig intensivieren die Europäer ihre kriegerischen Ansagen. Das laute Kriegsgeschrei lässt erwarten, dass sich die EU auf ein mehrjähriges Kräftemessen mit Russland einlässt. All das ist Begleitmusik, um die Position der Ukraine für einen Friedensschluss zu verbessern. Tagtäglich und auf allen Kanälen erscheint Wolodymyr Selenskij, meist händchenhaltend mit Vertretern der EU, triumphierend, provozierend und stets mit dem Hute in der Hand, weitere Unterstützung fordernd.
Russland hat praktisch keine Raketen mehr……Moskau wird brennen…..Russland steht kurz vor dem Zusammenbruch…..
-so lauten die martialischen Parolen aus Kiew.
Putin selbst hüllt sich in bedeutungsschwangeres Schweigen. Die Moskauer Presse steht den krawalligen Kollegen in Kiew in nichts nach:
Die Ukraine wird von Nazis beherrscht
Russland kämpft gegen die gesamte NATO
Die Sanktionen schaden nur dem Westen
usw.
Wenn die Russen, als Antwort auf immer heftigere und tödliche Angriffe, wie jüngst auf Heime von Studentinnen, Kiew erbarmungslos bombardieren, wird das weltweit als barbarisches Blutvergießen gebrandmarkt. Vergleichbare Übergriffe von ukrainischer Seite, wie Angriffe auf die Krim-Brücke oder Drohnenangriffe tief im russischen Hinterland, hingegen stellt man als bewunderungswürdige Heldentaten dar.
Desinformation als Kriegskunst
Beide Seiten verbreiten Meldungen wie-
„Der Gegner erleidet katastrophale Verluste,
die eigene Seite macht große Fortschritte
ein Wendepunkt steht unmittelbar bevor.“
Solche Aussagen sind seit Jahrhunderten typisch für Kriegspropaganda. Sie dienen dazu,
- die eigene Bevölkerung zu motivieren,
- Verbündete zu überzeugen,
- Gegner zu entmutigen.
Nachdem die EU als bedenkenloser Verbündeter der Ukraine agiert, werden uns hierzulande fast ausschließlich die Parolen Selenskyjs serviert, fast wie einst unter Goebbels Propaganda-Management:
„Wollt Ihr den totalen Krieg?“
Stimmen der Vernunft
Kaum scheint sich der de-facto- Eintritt des Westens in den Ukrainekrieg bezahlt zu machen, erheben sich Stimmen für einen Eintritt in Verhandlungen.
- Ministerpräsidentin Meloni hat sich dafür ausgesprochen, einen europäischen Ansprechpartner zu benennen.
- Der Präsident des Europäischen Rats, António Costa, ließ sondierende Kontakte nach Moskau aufnehmen.
- Kanzler Stocker und Politiker aus Luxemburg sprachen sich dafür aus, Gesprächskanäle offen zu halten.
- Berlin, Paris und London befürworten Verhandlungen grundsätzlich. Die USA setzen ebenfalls auf eine Verhandlungslösung.

In den baltischen Staaten besteht dagegen die Sorge, Russland könne Gespräche zur Neuordnung seiner Kräfte nutzen.
Verhandeln oder eskalieren
Wird die Erhöhung des militärischen Drucks die Verhandlungsbereitschaft Putins erhöhen oder zu weiterer Eskalation führen?
Die Reaktion Russlands wird davon abhängen, wie es seine strategische Situation einschätzt. Dazu gehört nicht nur die aktuelle Lage auf dem Schlachtfeld, die technologische Position und die materiellen und personellen Reserven. Auch die zu erwartende Unterstützung Dritter und die schnellen Veränderungen der internationalen Kräfteverhältnisse sind zu berücksichtigen.
Der kühle Spieler Putin wird das globale Schachbrett wahrscheinlich taktisch geschickter nutzen als der irrlichternde Präsident der USA oder die vernagelten, zerstrittenen EU- Clanchefs.
Die Zukunft
Das blutige Kräftemessen wird noch lange dauern. Militär- und Sicherheitsexperten erwarten-
- Eine Fortsetzung des Abnutzungskrieges.
- Weitere technologische Eskalation: Drohnen, elektronische Kampfführung, weitreichende Raketen, neue Abwehrsysteme.
- Zunehmende diplomatische Bemühungen hinter den Kulissen.
Solange sowohl Moskau als auch Kiew glauben, ihre Position militärisch verbessern zu können, werden Friedensverhandlungen schwer zu starten sein. Der Weg dorthin wird von beiderseitiger Desinformation und wütender Propaganda begleitet werden. Für den Beobachter werden insbesondere die Reaktionen der üblichen Verdächtigen in den Medien und der Politikszene aufschlussreich sein. Indessen verbluten weiter Tausende auf dem Schlachtfeld.

