Feuerland inmitten Europas

Was hat das lichterloh brennende Frankreich mit der Südspitze Südamerikas gemein? Dessen Name „Feuerland“ geht auf den portugiesischen Seefahrer Fernão de Magalhães (Ferdinando Magellan, 1485-1521) zurück. Als seine Flotte1520 diese unwirtliche Gegend passierte, sahen die Seeleute zahlreiche Feuer an den Küsten und nannten das Gebiet „Tierra del Fuego – Land des Feuers“. Die Brände stammten von den dort lebenden indigenen Menschen, die sie zum Wärmen und Kochen nutzten.

Die Feuersbrünste und Gewalttaten, welche Frankreich in den letzten Tagen erschütterten, stammen freilich nur zum Teil von indigenen Bürgern. Sie dienten auch nicht dem Wärmen und Kochen, sondern Randalierern, Plünderern und Gewalttätigen. Unter den Festgenommenen fanden sich zahlreiche Jugendliche und junge Erwachsene, deren Eltern oder Großeltern einst aus Afrika eingewandert waren.

Mehr als 2400 festgenommene Demonstranten, etwa 1000 verletzte Polizisten, zahllose abgefackelte Autos, zerstörte und geplünderte Geschäfte blieben zurück, öffentliche Gebäude wurden niedergebrannt. Die nächsten „Aktionen“ sind bereits angekündigt

Auf begründete Anliegen folgte totales Chaos.

Zunächst standen schlechte Unterrichtsbedingungen und fehlende Mittel für Schulen im Brennpunkt. Linke Parteien und Gewerkschaften unterstützten die Mobilisierung mit Forderungen nach höheren Löhnen und Pensionen sowie Maßnahmen gegen die Teuerung. „Gelbwesten“ – Gilets jaunes – brachten erneut ihren Protest gegen Lebenshaltungskosten und Regierungspolitik ein. Linke Aktivisten wurden vom Sozialistenführer Jean-Luc Mélenchon ermutigt, am Pariser Protest teilzunehmen. Letztendlich mündete das alles in einen landesweiten Aufstand.

Schulden über Schulden

Nicht nur was Flammen anlangt, ist Frankreich abgebrannt. Auch das verfügbare Kapital ist verdampft: Die Schulden der immer weiter absandelnden einst großen Nation haben ein nie da gewesenes Ausmaß erreicht: 3.595,5 Mrd. € oder sagenhafte 119,0 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP) hat Neo- Napoleon Macron angehäuft. Um von diesem nationalen Notstand abzulenken, sind ihm alle Mittel recht- von häufigen Auslandsreisen in entfernteste Regionen über bombastische Rüstungsprojekte bis hin zu oftmaligen Beschwörungen des heranrückenden Feindes aus dem Osten.

Die Ausbreitung des Feuers

Plötzlich entdeckt man allerorten, dass die einst gepriesene Zuwanderung als aller Welt einen erklecklichen Anteil an der Misere hat. Nach Jahrzehnten des Laissez-Faire werden die Verantwortlichen in Europa hellwach.

„Es ist nun jedem klar, warum Ungarn einen möglichst strengen Kurs in der Migrationspolitik vertritt“

so der ungarische Ministerpräsident Peter Magyar.

Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk:

„Polen darf die Fehler anderer europäischer Staaten nicht wiederholen und auch nicht dafür bezahlen“.

Donald Trump forderte am 19. Oktober 2026 die Schließung europäischer Grenzen und machte Migranten, Islamisten und Kommunisten für die Unruhen verantwortlich. Sein Vizepräsident JD Vance warf westlichen Linken vor, aus falsch verstandenem Mitgefühl Einwanderung gefördert und die Integration vernachlässigt zu haben. Warnungen seien ignoriert worden:

„Sie haben nicht zugehört.“

Als ob der Brand von Unbekannten fast gleichzeitig in mehreren Ländern Europas gelegt worden wäre, heulten die Sirenen auch in Belgien, Spanien, Portugal und Italien. Die Nächte in Italiens Metropolen erinnerten an Frankreich: Sicherheitskräfte setzten Tränengas und Wasserwerfer ein, nachdem Vermummte in Mailand, Turin, Bologna, Bari und anderen Städten die Polizisten mit Steinen bewarfen.

Während man in Frankreich in bewährter Weise der Polizei eine Teilschuld an der Misere vorwirft, nach der Devise „Haltet den Dieb“, schickt die beherzte Ministerpräsidentin Giorgia Meloni das Militär nach Mailand, um die rabiaten Chaoten zu bändigen: mit alsbaldigem Erfolg. Die Angst vor ähnlichen Ereignissen breitet sich sehr schnell aus: In fast allen europäischen Ländern geraten die Budgets aus dem Ruder, Sparmaßnahmen werden diskutiert, die Studentenschaft wird überall unruhig, die Bürger sind verängstigt.

Auch hierzulande, auf der einstigen Insel der Seligen, werden die Nachkommen der seinerzeitigen Phäaken unruhig: Die Studierenden und die Belegschaft der Universitäten mucken auf.

„Die Stimmung ist sehr schlecht“

so Angela Wegscheider, stellvertretende Vorsitzende des Betriebsrats für das wissenschaftliche Personal an der Johannes Kepler Universität Linz. Viele Beschäftigte machten sich Sorgen , welche Folgen die Budgetpläne haben könnten. Über all den lokalen Bedenken hängt die Gewitterwolke des nächsten EU- Haushalts, der vorerst mit fast 2 Billionen Euro veranschlagt ist. Die enormen Kosten des Ukraine- Krieges, die Explosion der Energiepreise, gestiegene Zinsen für die trotz Sparpaket immer noch wachsende Staatsschulden etc. lassen Politikern und Bürgern die Haare zu Berge stehen. Exkanzler Kurz malt baldige französische Zustände in Wien an die Wand.

Fragwürdige Strategien der Regierungen

Trotz zunehmender Unruhen halten Brüssel und die Mitgliedstaaten der Union, keinen Widerspruch duldend, an einer Politik der Rüstung, der Kriegsvorbereitungen, der Hinwendung zu sündhaft teuren Energielieferanten und der Verweigerung eines Kompromisses in der Ukraine- Frage fest. Im Gegenteil: Man macht den Feind aus dem Osten für all die selbst verschuldeten Missstände verantwortlich. Alle Bemühungen, die Zuwanderung einzudämmen, werden durch längst überholte internationale Regeln verhindert.

Es wird nicht mehr lange dauern, bis ein beunruhigendes Wissen Allgemeingut sein wird: Das zentrale Problem Europas besteht nicht im Mangel an Waffen oder Abwehrsystemen, sondern in der wachsenden Kluft zwischen den schmerzhaften Folgen der verfehlten Strategien seiner Regierungen und der Bereitschaft der Bevölkerung, deren Kosten und Risiken zu tragen.