Dass an die Spitze vieler Staaten ungeeignete Zeitgenossen aufgerückt sind, ist mittlerweile jedem Beobachter des Zeitgeschehens klar. Die unglaublichen, teils niederträchtigen, teils ganz einfach dummen Ausritte des US-Präsidenten beweisen dies sonnenklar. Auch die stets salbungsvoll vorgetragenen und vor Selbstlob triefenden Ankündigungen der EU-Ratspräsidenten, die nach ein paar Monaten sang- und klanglos im Orkus des Vergessens verschwinden, sprechen eine deutliche Sprache. Die heilige Einfalt, welche die Aktionen der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas beflügelt, sorgt ergänzend weltweit für Heiterkeit.
Wie man an die Spitze kommt
Dieser offensichtliche Stumpfsinn vieler Weltenlenker findet hierzulande seine Parallele. Großspurig verkündete Kanzler Stocker, begleitet vom Applaus seines Vize mit dem Staplerschein, eine Heeresreform, an der eine Kommission von Experten jahrelang gekiefelt hatte. Sie sieht nun, bis zur Unkenntlichkeit verunstaltet durch die Mühlen der Koalition, ganz anders aus. Die verantwortliche Ministerin, befragt, was sie davon hält, gesteht, nicht zu wissen, wie das Machwerk finanziert werden soll.
Währenddessen berühmt sich die gesamte Bundesregierung, den von steigenden Spritpreisen geplagten Pendlern tatkräftig zur Seite zu stehen: Die Spritpreisbremse verhilft zu einer Preisminderung bei Diesel um 1,9 Cent- satte 1, 07 % vom Literpreis! Dass man sich getraut, Derartiges als Leistung dem staunenden Volk stolz zu präsentieren, lässt nur folgende Schlüsse zu: Entweder ist man selbst erstaunlich einfältig, oder hält uns alle für geistig nicht mehr voll präsent- oder beides. Als düsteren Hintergrund erdulden wir das Wirken unserer Außenministerin, die als unguided missile den Planeten mit ihren betulichen Belehrungen beglückt. .

Die Liste weiterer Beispiele evidenter Absurditäten ist lang, die Ursachen dafür aber schnell ausgemacht: Schon Max Weber (1864–1920), Joseph Schumpeter (1883–1950), Friedrich August von Hayek (1899–1992) und Vilfrido Pareto (1848–1923) stellten aus verschiedenen Blickwinkeln fest, dass die Auswahlkriterien im Parteienstaat nicht die zur Führung des Staates Geeignetsten, sondern jene, die ihrer Partei loyal dienen, an die Spitze hieven. Parteidisziplin, Kadavergehorsam und Biegsamkeit inmitten innerparteilicher Seilschaften verhelfen an die Parteispitze, sind aber nicht jene Eigenschaften, die einen weisen Staatenlenker auszeichnen.
Beharrlich nagt der Wurm
Die Führungsetagen in der Politik scheinen intellektuell abzubauen. Ein kritischer Blick ins „gewöhnliche“ Volk allerdings zeigt ebenfalls bedenkliche Ansätze zu einem allgemeinen Verfall der Geisteskräfte;
- Leugnung von Ergebnissen der exakten Wissenschaften, Verquere Diskussionen um die Anzahl der Geschlechter,
- hymnische Verehrung für Politiker mit offensichtlich fehlender Qualifikation,
- Glaube an Wunderdoktoren, Quacksalber und Kurpfuscher,
- steinzeitlich anmutende Tätowierungen mit Symbolen und seltsamen Botschaften,
- Glaube an Horoskope, Sternzeichen, Heilsteine und Kristalle
etc. etc.
Währenddessen zeigt die Entwicklung der Schulleistungen in Europa einen klaren Abwärtstrend. Dies geht aus den PISA-Studien hervor.
- Mathematik: Die Leistungen sind zwischen 2018 und 2022 in den meisten europäischen Ländern deutlich gesunken.
- Lesekompetenz: Das Leseverständnis hat sich in fast allen europäischen Staaten verschlechtert.
Verblödung durch Verweichlichung?
Bequemlichkeit wird zunehmend wichtiger als Eigenverantwortung, Sicherheit wichtiger als Freiheit und Versorgung wichtiger als Selbstständigkeit. Ist diese Entwicklung nur ein kurzfristiger Trend und damit reversibel, oder Teil eines langfristigen evolutionären Prozesses?
Crabtree und die Mutationen

Der Genetiker Gerald Crabtree stellte 2012 die Hypothese auf, dass Intelligenz auf tausenden Genen aufbaut. Diese könnten über lange Zeit schädliche Mutationen ansammeln, weil der Selektionsdruck in einer Welt abnehmender Gefahren geringer würde.
Der Flyyn- Effekt
Der Politikwissenschaftler James R. Flynn wiederum stellte fest, dass in einigen europäischen Ländern den letzten Jahrzehnten stagnierende oder leicht rückläufige IQ- Werte gemessen wurden. In anderen Ländern wurde hingegen das Gegenteil beobachtet. Als mögliche Ursachen vermutet er Veränderungen in Bildung, Mediennutzung, Umweltfaktoren. Eine evolutionäre Ursache sei nicht ableitbar.
Popper und Lorenz
Ich hatte das Privileg, der Diskussion der Nobelpreisträger Konrad Lorenz (1903–1989) und Karl Popper (1902–1994) beim Forum Alpbach im Sommer 1983 lauschen zu dürfen. Popper definierte Erkenntnis und Intelligenz als als einen Prozess von Vermutungen und Widerlegungen (Falsifikationsprinzip), der stets von kulturellen Entwicklungen abhängt. Lorenz wiederum legte dar, dass unser Erkenntnisvermögen selbst ein Produkt der biologischen Evolution wäre und sich im Überlebenskampf entwickelt habe.
Während Popper heute salonfähig ist, verfiel Lorenz wegen seines politischen Vorlebens der Damnatio Memoriae (lat.: Verdammung des Andenkens), was der Überzeugungskraft vieler seiner Erkenntnisse aber keinen Abbruch tut.

Use it or lose it!
Ein Werkzeug, das selten gebraucht wird, verrostet. Unsere Intelligenz, Reaktionsschnelligkeit, die Wachheit des Bewusstseins verkümmern, weil harte Herausforderungen an den Einzelnen fehlen. Das geschieht bereits in den Schulen und großflächig per Sozialsystem, vorgekauten Meinungen und politischer Gängelung. Lösungen werden von allen möglichen Institutionen und Hilfsmitteln übernommen. Die Folge: Das Hirn wird träger, wehleidiger und arbeitsunwillig, ruft nach „panem et circenses.“
Erst pure Not macht wieder erfinderisch.
Können wir wieder klüger werden?
Eine evolutionäre Entwicklung des Gehirns und seiner Funktionen ist Stand der modernen Wissenschaft, Verdummung der Menschheit durch evolutionäre Effekte hingegen ist unbewiesen: Dazu wären viel längere Zeiträume erforderlich. Umwelt- Bildungs- Ernährungs- Gesundheits- und Medienfaktoren spielen offensichtlich eine ungleich wichtigere Rolle. Werkzeuge, Schrift, Bildung und digitale Technologien verändern Denk- und Lernprozesse innerhalb weniger Generationen massiv, ohne dass sich die genetische Ausstattung ändert. Was hingegen über lange Zeiträume hinweg passieren wird, bleibt noch unbeantwortet.
Die geistige Kraft einer Gesellschaft ist offensichtlich umgekehrt proportional dem vorherrschenden Grad an Bequemlichkeit, Sicherheit und mangelnder Herausforderung. Damit wiederholt sich auch das ewige Auf und Ab, das Wechselspiel von Kraft und Gegenkraft. Dieses ist das Grundgesetz jeder Entwicklung: Wo kein Widerstand existiert, verkümmert die Kraft; wo keine Herausforderung besteht, schwindet die Fähigkeit zur Anpassung. Dieser Prozess ist zweifellos umkehrbar:

Kraft, Geistesgegenwart, Ambition und Fortschritt entstehen nur in der produktiven Spannung herausfordernder Kräfte.
