Wie entsteht Heimat?

Heimat ist die Summe all dessen, woran man sich von Kindheit an gewöhnt hat. Dieses Geschehen beginnt mit dem Urvertrauen in Eltern, die Sicherheit im Heim und der Umgebung: Das Nest. Der Prozess der Anpassung setzt sich fort mit der Einbindung in das örtliche gesellschaftliche System: Sprache, Sitte, Regeln, Musik und Traditionen. Das alles brennt sich in den ersten Lebensjahren unauslöschlich in die Seele des Menschen ein und hilft ihm, sich in einer höchst komplexen Umwelt zu orientieren. Es bildet aber auch ein festes Netz von überkommenen Ansichten und Verhaltensweisen.


Aus dem Nest gefallen

Viele dieser Muster werden nutzlos, ja nachteilig, wenn ein so geprägter Mensch in eine gänzlich fremde Umgebung kommt. Die erlernten Verhaltensweisen passen nicht. Pflanzen, Tiere, Gerüche, Schrift und Musik sind wesensverschieden und unvertraut. Fremde bedeutet Unsicherheit, Bangigkeit, Verwirrung und Selbstzweifel, aber auch Neugierde und Lernbereitschaft. Erst eine mühsame weitere Lernphase führt aus all diesen unangenehmen Begleiterscheinungen des Geworfen- Seins in eine neue Umwelt. Zur Heimat, wie man sie als Kind gewann, wird sie nie vollständig.


Fremd in der Heimat

Als ich zehn Jahre alt war, war meine Umwelt nicht sehr verschieden von jener hundert Jahre vorher. Auf der unbefestigten Straße tummelten sich Hühner und Gänse. Kinder spielten ohne Gefährdung durch Autos. Die knarrenden Karren der Bauern wurden von gemächlichen Ochsen durchs Dorf gezogen. Manche dieser Fuhrwerke besaßen bereits Gummireifen- ein Inbegriff des Fortschritts. Nur selten tuckerte ein Einzylinder-Steyr-Traktor durchs Dorf, die blaue Puch 175 war der Stolz (und oft der Tod) der jungen Männer. Wenn der Doktor Radimsky selig mit seinem ehemaligen US-Armeejeep auftauchte, wurde er von der Kinderschar wie ein Weltwunder angestarrt.

Was seither geschah, wissen wir alle: Es blieb von der damaligen Welt fast kein Stein auf dem anderen. Technik, Wirtschaft, gesellschaftliche Änderungen, Zuwanderung und sekundenaktuelle Nachrichten aus der ganzen Welt haben das Leben vollkommen verändert. Viele konnten sich durch Offenheit gegenüber den unabwendbaren Veränderungen in den neuen Verhältnissen einquartieren. Wer es aber nicht schaffte, sich von seiner gewohnten Lebensweise, überkommenen Idealen und Anschauungen zum Teil zu verabschieden, fiel bitterer Entfremdung zum Opfer.


Unvertraute Welt

Immer schneller nagt, sinnbildlich gesehen, der Fortschritt an den sandigen Gestaden heimatlicher Gefilde. Schon die Fünfzigjährigen werden bereits bedenklich in den Strudel der Änderungen gezogen- ganz zu schweigen von jenen, die noch vor der Digitalisierung des Lebens erwachsen wurden. Die Sprache änderte sich, ganz neue Benennungen und Fremdwörter schlichen sich in den modernen Quacksprech ein. Die Anzahl angeblicher Geschlechter nimmt von Tag zu Tag zu, je nach dem Exhibitionismus-Bedürfnis gerade „hipper“ Wesen. Ohne L oder B, T oder Q zu sein wäre man beim europäischen Song Contest wohl chancenlos. Spitzen der Gesellschaft versenden kristallklare Fotos ihrer Genitalien, hochgerühmte Geschäftsleute entpuppen sich als Milliardenbetrüger mit tatkräftiger Unterstützung eines ehemaligen SPÖ-Bundeskanzlers. Die Zeitungen bersten von Berichten über Kriege, deren Berechtigung trotz ähnlicher Motive und Grausamkeiten je nach Parteinahme sehr unterschiedlich eingeschätzt werden. Die ganze Welt ruft nach Waffen. Insbesondere die USA rüsten auf, um sich gegen die ganze restliche Welt „zu verteidigen“.

Wettstreit der Weltmächte

Die Welt steht im Zeichen des Kampfes von Großmächten, die ihre brutalen Auseinandersetzungen in Form von Stellvertreterkriegen auf dem Rücken kleinerer Nationen austragen. Den USA ist es mit einer meisterhaften Volte gelungen, die Kosten und Folgen des vom der NATO provozierten Ukraine-Krieges auf die Schultern der Europäer umzuladen. Deren Anführer nehmen dieses Joch auf sich und laden die wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Risiken und Lasten auf die gepeinigten Bürger ab.


In den USA regiert ein offensichtliche geistesgestörter Monomane, von dem niemand weiß, wie weit er und seine Spießgesellen die Welt weiter in die Nähe eines Weltkrieges manövrieren werden. Die Weltwirtschaft geriet durch völlig unüberlegte kriegerische Abenteuer à la Wildwest völlig aus den Fugen. Teuerung und Mangel greifen um sich.

Hierzulande gibt es keine keine Abhilfe

Letztendlich erkennt der Österreicher, spät, aber doch, dass das von ihm gewählte Parlament eine Regierung bestellt hat, deren Spitzen den geschilderten Ereignissen nicht gewachsen sind. Man versucht durch immer neue Steuern die riesigen Budgetlöcher zu stopfen- wie ein Installateur, der durch Aufdrehen des Wasserhahns das Ausrinnen einer löchrigen Badewanne verhindern will. Due tieferen Ursachen des Übels werden nicht angegangen. (Dazu in nächster zeit mehr).

Das alles zusammen verängstigt und entmutigt die Bürgerschaft und macht sie gleichzeitig wütend und aggressiv. Man wird mit schlechten Nachrichten überschüttet und noch dazu infam belogen-auch von hohen Parteifunktionären und wohlfeilen Berichterstattern.


Abgehärtete Beobachter

Nur abgebrühte Erdenbürger, die sich im Laufe ihres Lebens notgedrungen mehrfach häuteten wie eine Ringelnatter, werden gegen den rasenden Wechsel immun. Sie schaffen es, in einer unvertraut und verworren gewordenen Umwelt die Spreu vom Weizen zu trennen, die alten Tugenden und zeitlosen Weisheiten der Altvorderen zu bewahren. Sie bleiben, als neutrale Beobachter, dem Tohuwabohu, der babylonischen Sprachverwirrung und den übergeschnappten Ideen kritikloser Zukunftsverliebter fern. Der Preis dafür ist das Geworfen- Sein in ein Umfeld, welches diese Wenigen oft als befremdlich, ja bedrohlich wahrnimmt: Nichts ist kostenlos auf dieser schnöden Welt.