„Alarrm! Alarm“! Das ist das Lebensgefühl, welches heutzutage durch pausenlos hereinströmende Nachrichten vermittelt wird.

Ist wirklich die Hölle los?

Der US-Präsident stilisiert sich als Jesus und Schleusenwärter überlebenswichtiger Meeresstraßen. Wladimir Putin, zum Gottseibeiuns hochstilisierter Feind zum allgemeinen politischen Gebrauch, muss als Begründung für milliardenteure Aufrüstung herhalten. Die ewigen Kriege rund um Israel füllen alltäglich 2/3 der Nachrichten. Dazu kommt das Verglühen des Planeten.

Den Rest füllen Meldungen über das verquere Sexualleben eines von hinterhältigen Politruks abgesägten Generalintendanten. Die offensichtliche Unzulänglichkeit der aktuellen Regierungstroika wiederum entsetzt den Bürger. Meldungen aus Brüssel ergänzen das Gefühl, man wäre von Gott, der Welt und allen guten Geistern verlassen. War es früher anders, besser? Woher kommt das Gefühl, die ganze Welt geriete plötzlich aus den Fugen? Steht der totale Kollaps unmittelbar bevor?

Was bisher geschah

80 Jahre lang bin ich auf der Welt. Im Bauch meiner Mutter habe ich die Flucht vor den Russen über den verschneiten Schneeberg nach Oberösterreich von innen her miterlebt. Wahrscheinlich haust in meiner Seele noch ein Rest der Angst meiner damals gestressten Mama.

Bald fand ich mich geborgen in der wohligen Atmosphäre einer ländlichen Großfamilie samt Kuh, Schwein, Hund und Katze. Nichts von alledem, was draussen passierte, störte das kleine Idyll. Nur an zwei verstörende Ereignisse aus dieser Zeit kann ich mich erinnern:

„Bua, schau, dass´d hoamkimmst: Im Werk streiken die Kommunisten!“ so ein alter Bauer zum kleinen Mann, im Oktober 1950. Dann die besorgte Mutter zu ihrem Mann: „Der Stalin is gstorbm! Wer weiss, was jetzt passieren wird? (1953).

Im Gegensatz zu diesem verstörenden Ton stand das Verhalten des netten jungen russischen Soldaten, der die Taferklassler jeden Samstag im Gänsemarsch ins Kino eskortierte. Dort wurden russische Märchenfilme in Farbe gezeigt, von den Baba Jaga, Iwan auf dem Ofen und dem edlen Stjenka Rasin, auf seinem Wolgaschiff. Die Sowjetpropaganda zwischendurch interessierte weniger. (1953).

Als man etwa achtzehn Jahre alt war, rüttelte der Mord am US- Präsidenten John Kennedy (1963) die jugendliche Seele auf, der ewig dauernde Vietnam Krieg (1955 -1975) lieferte, samt latenter Atomkriegsangst, den Basso continuo im Hintergrund. Die Ungarn- Revolution samt Flüchtlingen (1956) verschafften interessante Fußballfreunde,

Dann kamen die Kriege rund um Israel, Mord an Sadat, später Rabin, die weltweiten Studentenproteste der 68iger samt Flower Power, Woodstock, Joan Baez und Bob Dylan

“How many roads must a man walk down…”.

RAF Morde in Deutschland, die Invasion Tschechoslowakei, die Balkankriege, Irakkriege, Syrienkrieg, Gadhafi 2011…..usw. In Österreich wechselten die Regierungen, viele Skandale um Korruption, verurteilte Politiker und den vielgeschmähten ORF sind ebenfalls dunkel in Erinnerung. Ganz aktuell sorgen die Ukraine, Gaza und Iran für erneute Aufregung.

Warum die allgemeine Hektik?

Die Gründe dafür lassen sich in einem Satz zusammenfassen:

Die Dichte an Nachrichten hat sich vervielfacht, es verändert sich alles immer schneller und wir alle sind dadurch immer tiefer drinnen, im Geschehen.

Die Fortschritte in der Informationstechnik ermöglichten sofortige Reaktionen auf die Geschehnisse auf der ganzen Welt. Sie verfolgen uns ins Wohnzimmer, im Auto und auf dem Handy. Der Teufelskreis der Beschleunigung peinigt uns.

Mehr Tempo führt zu mehr Druck und erzeugt noch mehr Tempo. Unser Gehirn ist dafür nicht gemacht.

Es wurde in Laufe von Jahrmillionen darauf trainiert, mit der unmittelbaren Umwelt umzugehen- aber nicht mit einer Flut an Reizen, die elektronisch auf der ganzen Welt erzeugt und uns in komprimierter Form injiziert werden. Die Folgen:

Man hat immer weniger Zeit für die Verarbeitung von immer mehr Informationen, die einander oft diametral widersprechen.

Die Koevolution der Nachrichtentechnik mit der Aufgeregtheit der Mächtigen hat zu der babylonischen Verwirrung geführt, an der wir alle leiden.

  • 1960–1980: Satelliten & erste Netzwerke (ARPANET)
  • 1980–1995: Digitalisierung & PCs, erste E-Mails
  • 1995–2010: Internet & World Wide Web
  • 2010–2020: Smartphones, soziale Medien (z. B. WhatsApp)
  • 2020–heute: 5G, Cloud, KI

Was tun gegen die Informations- Inkontinenz?

Viele Zeitgenossen nehmen sich vor, es dem Vogel Strauß gleichzutun- und finden sich dennoch allabendlich vor dem Fernseher ein, als begierige Konsumenten aller üblen Nachrichten dieser Welt.

Mehr Gelassenheit ist gefragt. Die Welt wird nicht untergehen, nur weil übernervös pausenlos über zahllose Katastrophen berichtet wird: Es gab sie immer schon. Die Überlebenskunst besteht darin, sich eine eigene kleine Welt zu sichern, in der man noch Herr des Geschehens ist.

Unsere Vorfahren richteten sich in einem privaten Biedermeier- Gärtchen gegen die Allmacht des Fürsten Metternich ein. Wir sollten dasselbe tun, angesichts der Hybris von Diktatoren, Kriegstreibern und selbstgefälligen Brüsseler Machthaberinnen. Mit der Meinung dazu hinter dem Berg zu halten wäre freilich ein großer Fehler. Ich wünsche dazu Geschick, Erfindungskraft und- ganz wichtig! viel Glück!