Schmerzliche Erinnerungen
Österreich steht im Banne der Budgetpläne der Bundesregierung. Der Herr Finanzminister, in Personalunion durch seine persönliche Geschichte und Parteizugehörigkeit Oberbetriebsrat der Republik, hat seinen Haushaltsplan für 2027 und 2028 vorgelegt. Am Ende dieser Periode erfolgt der Rückzug aufs Altenteil. Sein Nachfolger wird mit vorwurfsvoll erhobenem Zeigefinger auf ihn zeigen, wenn das halbherzige linkslastige Konzept nicht aufgegangen sein wird.
Die Geschichte von Sanierungen hat sich weithin sichtbar auch auf mein Haupthaar ausgewirkt. Binnen einiger Jahrzehnte verabschiedet es sich, bis auf kärgliche Restbestände. Als Entschädigung für diesen Verlust stellten sich freilich einige wertvolle Erkenntnisse ein. Insbesondere die Erfahrungen im Zusammenhang mit verlotterten Staatsbetrieben am Rande der Insolvenz gelten noch heute, auch für die wirtschaftlichen Beschwerden des Staates. Übrigens habe ich keine erfolgreiche Sanierung erlebt, die von einem Betriebsrat geleitet wurde.
Die bewährte Vorgangsweise

Die Diagnose
- Wo verschwindet Geld ohne Nutzeffekt?
- Wo verstecken sich Schwächen, welche Stärken werden nicht genutzt?
- Ist die Organisation ein Abbild ihre Aufgabe oder ein Hindernis?
- Sind die Führungskräfte ihren Aufgaben gewachsen?
- Wo gibt es erfolgreiche Best Cases?
Die Therapie
- Leitspruch: wenn Schmerz, dann sofort.
- Kompromisslose Kostensenkung
- Ersatz von ungeeigneten Führungskräften
- Verschlankung der Struktur
- Positive Kräfte einschwören.
- Dann Investitionen in die Zukunft.
Wichtig ist, sich auf die Ursachen der Probleme zu konzentrieren und nicht auf deren Symptome. Damit erspart man sich mehrmaliges Nachbessern und dem bedauernswerten Patienten die trügerische Hoffnung auf Schmerzfreiheit. Im Gegenteil: Nach einiger Zeit muss ihm mitgeteilt werden, dass- leider leider! eine weitere peinvolle Operation erforderlich wird.

Karl Marx stand Pate
Legt man diese Grundsätze auf das feierlich verabschiedete Sanierungsprogramm der Dreierkoalition um, so sticht ins Auge, dass es das linkslastige Werk eines ideologiegeladenen Arbeiterfunktionärs ist. Beinahe drei Viertel der Konsolidierung sollen aus Mehreinnahmen stammen, nur rund 28 Prozent entfallen auf Ausgabenkürzungen und Strukturverbesserungen. Lediglich die ärgsten Ecken und Kanten wurden von den flügellahmen Vertretern der Konservativen abgeschliffen. Wichtiger als die Fakten war ihnen die Vorspiegelung von Einigkeit und die krampfhafte Sicherung von Ämtern und Pfründen.
Mit halben Mitteln zu halben Zielen

Die Folgen dieser Halbheiten werden die Regierung bald einholen. „Das wird schlicht nicht reichen“, so Fiskalratschef Christoph Badelt. „Ausgabenseitige Strukturreformen werden verschleppt“. Das würde „künftige Budgets schwer belasten“ WIFO- Ökonomin Margit Schratzenstaller, IHS-Chef Holger Bonin und jüngst auch die Nationalbank stimmen in den Chor der Warner ein.
Ohne längst überfällige strukturelle Reformen stünde der Haushalt längerfristig auf einem sandigen Fundament: Ein aufgeblähter altväterischer Beamtenapparat, das zunehmend unfinanzierbare Pensionssystem, ein teurer Gesundheitsapparat und, vor allen, eine durchgehend leistungsfeindliche Sozialgesetzgebung produzieren Sand im Getriebe. Die beschlossenen Maßnahmen setzen nicht bei den Ursachen des Übels, sondern lediglich bei dessen Folgen an. Überdies ist die Handschrift Karl Marxens- Umverteilung von oben nach unten, und damit Bestrafung von Ambition und Anstrengung – unverkennbar. All dies wird mit dem Argument „Gerechtigkeit!“ begründet. Freilich: Wenn man andauernd salbungsvoll „Gerechtigkeit!“ von eigenen Gnaden predigt, vergeht sie uns auch schon. Frei nach Karl Marx:
„Die Koalitionäre haben die Welt verschieden interpretiert; es kömmt aber darauf an, sie zu verändern!“
Aus der Verstaatlichtenkrise (1985/1986) nichts gelernt

Die Erinnerung an die folgenschwer Quacksalbereien von Betriebsräten und Politikern vor dem krachenden Zusammenbruch der Verstaatlichten Wirtschaft: Konsum, VÖEST, ELIN, BAWAG und sogar Gewerkschaftsbund – blitzt bei jedem dritten Absatz des Budgets in meinem Gedächtnis auf. (Herr Marterbauer war damals noch Student).
Was die vorgesehenen Mittel für eine „Vorwärtsstrategie“ anlangt, sei warnend an den oft zitierten Investitionspropheten J.M. Keynes erinnert: Schuldenfinanzierte Zukunftsinvestitionen (inkl. deren immer teurer werdende Verzinsung) sind nur dann erfolgreich, wenn sie die Schulden wieder hereinspielen.
Postscriptum

Nach einem Aufschrei der Bevölkerung zog man die Erhöhung der Parteienförderungen eilig zurück. Einsparungen gibt es keine. Zum Vergleich: Der neue ungarische Ministerpräsident Péter Magyar verkündete indes, dass die Gehälter von Abgeordneten in Ungarn um 40 Prozent gekürzt werden. „Sie sollen stolz darauf sein, dem Volk dienen zu dürfen“. Das wäre mit Geld gar nicht aufzuwiegen. Hierorts sieht man das gänzlich anders und verfährt nach der Devise-
„Die Kunst besteht darin, die Gans so zu rupfen, dass man möglichst viele Federn bei möglichst wenig Geschrei erhält.“
Jean-Baptist Colbert (1619–1683)

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6 Kommentare
naja da geh ich völlig mit ihnen konform ich hab dann auch noch den Aufwand in der Buchhaltung durchsucht da findet sich einiges und unter miscellaneous fand sich auch einiges Werbung ist auch immer gut und jene in Führungspositionen die mir mitteilten dass das immer schon so war hab ich rausgeschmissen und dann haben wir von vorne angefangen was willst machen sonst kriegt man eine Firma nicht in den Griff
Gut!
Ja, wie so oft bisher, treffen Sie den Nagel auf den Kopf. Würden jene erfolgreichen Bürger und Unternehmen so ineffizient wirtschaften wie unsere Bundesregierung, wären wir alle bereits Pleite. Scheinbar wollen alle linksgerichteten Politiker die wenigsten bisher erfolgreichen Personen und Unternehmen, vorwiegend des Mittelstandes, der das Werkl noch am Laufen hält, auch noch ruinieren. Das jüngste Beispiel ist der ÖFB mit der Vertragsverlängerung von Ralf Ragnick, und der angespannten Budgetsituation in Österreich. Ein Nettojahresgehalt von € 2 Millionen ist kein Mensch Wert, auch nicht der Nationaltrainer für bzw in Österreich. Es ist eine pure Augenauswischerei und Täuschung, auch wenn UNIQA, RAIFFEISEN, Sported und Immounites als Sponsoren für einen Teil dieser Summe aufkommen. Warum? Weil all diese Sponsoren über die Werbungskosten ihr Steueraufkommen reduzieren und im Endeffekt zahlt es wieder der Kunde bzw der Steuerzahler. Das ist nichts als ein mieser Trick zur Wählertäuschung. Völlig egal wie unsere Nationalmannschaft abschneiden wird, ist ein derartiger Betrag, bei unserer Budgetsituation, nicht zu rechtfertigen. Aber der ÖFB Chefverhandler hat sich ja bereits damals, bei der „Hypo-Alpe-Adria“ nicht mit Ruhm bekleckert. Es fehlt schlicht und einfach das Gespür für das wirtschaftlich machbare.
Lieber Herr Woltron,
schade um Ihre wertvolle Zeit und Ihre Gedanken für effektive Sanierung: kein Mensch will den Staat sanieren! Ist doch keine Firma, sondern ein Selbstbedienungsladen – alles wunderbar und NOCH mästen wir uns am Staats“sondervermögen“ wie die Maden im Speck. Wen schert schon die nächste Generation? Die soll sich´s selber richten. Und wenn ihr Gay-Paraden wichtiger sind als politisches Interesse, hat sie irgendwie böses Erwachen auch verdient… Ob ORF, Bundesheer, EU etc. etc., die öffentlichen Institutionen sind doch nicht auf Erfolg ihrer „Firma“, sondern auf unsere Subventionen und Machterhalt programmiert! Und nächstes Mal wählen wir sie wieder – wetten? Genau wie bei Rangnick und seiner Mannschaft: wofür sollen die kämpfen, wenn sie im Geld schwimmen? Ihr Amerika-Urlaub wird umso länger, je früher sie aus dem Rennen sind. Abschiedsfeier mit Babler und Stocker im Luxus-Hotel schon geplant?
Es wird bitter. Und die Fetzen werden schon gewässert. 😬
Grundübel: Selbstbedienungsladen und keine Kontrollinstanz. Jeder Bürger der Schulden macht muss sie später einmal abarbeiten, und die verschuldete Nachteile schlucken, unsere Politiker hingegen nicht. Politische Verantwortung nennt sich das dann. Wie wäre, es die Bezüge der Mandatare und Funktionäre in den Maß zu kürzen, als sie Teuerung und Schulden verschulden. Eine entsprechende Volksbefragung könnte den Wählerwillen zum Ausdruck bringen.